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Linda Watson als "Brünnhilde" in Düsseldorf

Sopranistin Linda Watson als "Brünnhilde"

Linda Watson als "Brünnhilde" in Düsseldorf

Die Sopranistin Linda Watson gehört zu den wichtigsten Wagner- und Strauss-Sängerinnen unserer Zeit. Derzeit singt sie in Wagners "Ring" an der Düsseldorfer Oper am Rhein. Ein Gespräch über ihre Brünnhilde.

WDR: Sie sind aktuell die Brünnhilde in der Walküre an der Düsseldorfer Oper. Eine Rolle, in der Sie seit vielen Jahren und in vielen Inszenierungen zu erleben sind. Über 20, Frau Watson?

Die Sopranistin Linda Watson im Samstagsgespräch

WDR 3 Gespräch am Samstag | 10.02.2018 | 26:59 Min.

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Linda Watson: Ja, das ist meine 21. Ring-Produktion.

WDR: Sie haben Ihren ersten Ring als Brünnhilde 2005 in Düsseldorf gesungen. Können Sie sich erinnern wie Sie sich an dies Partie herangearbeitet haben?

Linda Watson: Ganz langsam (lacht). Meine erste "Walküre" war 2001 in Tokio, der erste "Siegfried" war in Bonn und so habe ich mich ganz langsam dem ganzen Ring genähert - und dann "Götterdämmerung" in Düsseldorf.

Die Wallküre - Richard Wagner - Oper am Rhein Düsseldorf

Wagners "Walküre" an der Oper am Rhein Düsseldorf

Ich habe sehr viele Stunden mit Wolfgang Wagner verbracht. Wir haben darüber geredet, oder ich habe zugehört, was er über diese Partie zu sagen hatte. Diese ganze Psychologie dahinter. Die Götterfamilie, die eigentlich ganz menschlich ist und die Streitereien zwischen den Göttern. Sie sind das, was den ganzen Ring belebt. Deswegen überlebt er so viele Jahre und ist eigentlich immer aktuell.

WDR: Gerade die Brünnhilde ist eine Figur, die eigentlich absteigt vom Göttlichen zum Menschlichen. Ihr wird ja die Göttlichkeit durch ihren Vater genommen. Sie gibt sich der Liebe hin - und auch dem Tod.

Linda Watson: Ja. Daher kommt die Frage, was ist Göttlichkeit? Das ist eine sehr entscheidende Frage im "Ring" und an meiner Partie. Die einzige Liebe, die sie vorher kennt, ist die von und für ihren Vater. Und er hat sie aus Boshaftigkeit weggenommen. Und so ist sie nicht nur Erdling, sondern auch ganz, ganz allein auf der Welt.

Sie ist die einzige Figur im "Ring", die sich wirklich entwickelt - über drei verschiedene Opern. Das macht es spannend. Es ist eine ganz lange Reise. Deshalb mag ich es, wenn eine Brünnhilde den ganzen Ring singt und nicht verschiedene Brünnhilden zu sehen sind.

WDR: Da stehen Sie ja jetzt noch am Anfang. Bis zum Juni 2019 wird der "Ring" am Rhein laufen. Sie werden uns also eine ganze Weile treu bleiben - mit einer Brünnhilde, die ein wenig spöttisch angelegt ist, oder?

Linda Watson: Ja, eine völlig andere Idee von Dietrich Hilsdorf. Die ganze Götterfamilie sitzt am Esstisch. Wir sitzen alle da und reden miteinander. Und dann kommt mein Ruf als Brünnhilde eher als eine Art spöttisches Lachen rüber. Es passt zur Musik, es ist etwas Neues.

Das Gespräch führte Cornelia Bittmann in WDR 3.

Stand: 10.02.2018, 09:00