Die Geishas kommen! "Japanfieber" im Arp Museum

Die Geishas kommen! "Japanfieber" im Arp Museum

Von Thomas Köster

Die Geishas kommen. Und haben ihre Manga-Freundinnen gleich mitgebracht. Das Arp Museum Bahnhof Rolandseck beleuchtet das "Japanfieber", das die Maler der Moderne entfachten - und das bis heute Fans wie Kritiker der Jugendkultur erhitzt.

Japanfieber. Von Monet bis Manga,  Arp Museum Bahnhof Rolandseck, Remagen 2018 (Ausstellungsansicht)

Zu Beginn der Meiji-Zeit vor 150 Jahren öffente sich Japan dem Westen - und löste vor allem in der Kunst ein wahres "Japanfieber" aus. Das Arp Museum Bahnhof Rolandseck illustriert diese Auseinandersetzung mit Meisterwerken der eigenen Sammlung Rau und Exponaten internationaler Leihgeber, die teils erstmals in Deutschland zu sehen sind.

Zu Beginn der Meiji-Zeit vor 150 Jahren öffente sich Japan dem Westen - und löste vor allem in der Kunst ein wahres "Japanfieber" aus. Das Arp Museum Bahnhof Rolandseck illustriert diese Auseinandersetzung mit Meisterwerken der eigenen Sammlung Rau und Exponaten internationaler Leihgeber, die teils erstmals in Deutschland zu sehen sind.

Vor allem die außergewöhnlichen Perspektiven und den Hang zur Flächigkeit übernahmen die Künstler des Impressionismus, des Pointilismus und des beginnenden Expressionismus von ihren japanischen Vorbildern. "Man muss die japaner einfach gesehen haben", heißt es an einem Brief an Berthe Morisot, die 1893 ihre Tochter Julie mit ihrem Windhund porträtierte. Mit japanischer Kunst im Hintergrund.

Ausgangspunkt der Ausstellung sind die japanischen Farbholzschnitte aus der Sammlung von Claude Monet, die erstmals in einem größeren Konvolut außerhalb Frankreichs gezeigt werden. Von Monet sind auch einige der berühmten Seerosenbilder zu sehen, von denen "Seerosen und Weidenzweige" (1916-1919) aus den Beständen eines Pariser Gymnasiums (!) sicher das schönste ist.

In direkten Gegenüberstellungen wird die vor allem formale Beeinflussung erfahrbar gemacht. Die Art und Weise etwa, wie Vincent van Gogh 1889 seine "Räucherheringe auf einem Stück gelbem Papier" drapierte, hat seine Entsprechung in der eigenwilligen Kombination zweier Fische auf einem Holzschnitt Utagawa Hiroshiges, der eins Monet gehörte.

Thematische Einflüss zeigt "Im Japanfieber" vor allem an der Figur der Geisha auf, die sich vor allem durch die Holzschnitte Kitagawa Utamaros verbreitete. Wie zuvor die Haremsdame, verkörperte sie mit ihrer Eleganz, ihrer Sinnlichkeit und ihrer exotischen Erotik alles, was das - vor allem männliche - Künstlerherz damals begehrte.

Die Moderne übernahm von den Japanern aber vor allem auch den Versuch, die Kunst in den Alltag zu integrieren. In diesem heißen Sommer wird dies an den zahlreichen Entwürfen für Fächer besonders sinnfällig. Dieser hier stammt von Pierre Bonnard ("Frauen und Blumen", um 1891)

"Das Japanfieber ist ja noch längst nicht abgeklungen", sagt Museumsdirektor Oliver Kornhoff. Im Gegenteil: "Inzwischen ist es zu einem festen Bestandteil unserer visuellen Alltags- und Populärkultur geworden." Hier steht er im japanischen Steingarten vor dem Arp Museum, der eigens zur Ausstellung von dem Gartendesigner Peter Berg gestaltet worden ist.

Tatsächlich ist Japan heute Pop. Das zeigt sich vor allem in der Rolle, die Manga-Comics und ihre animierten Geschwister, die Anime, inzwischen unter Jugendlichen auch hierzulande spielen. Diesem Phänomen und seinen Stars (hier eine Merchandising-Sammelfigur des Piraten Kabuki) ist der zweite Ausstellungsteil der Schau gewidmet.

In diesem, der Zielgruppe entsprechend überaus interaktiv angelegten, Teil der Ausstellung kann man sehen, dass auch die Manga ihren Ursprung in Zeichnungen von Hokusai haben. Oder verfolgen, in wie vielen Phasen eine Figur entsteht. Oder dem japanischen Verkleidungstrend des "Cosplay" fröhnen und sich für ein Selfie in einen seiner Lieblingscharaktere aus Manga, Anime oder Videospiel verwandeln.

Wer will, kann aber auch Anime-Filme schauen. Oder sich gemütlich in eine Sitzecke setzen und dort in den zahlreichen Mangas schmöckern, die in einer speziellen Bibliothek im Museum versammelt sind. Vielleicht hilft dies der älteren Generation, die jüngere etwas besser zu verstehen. Vielleicht lockt es aber auch die Jugend wieder in Ausstellungen, deren Publikum oftmals etwas überaltet ist.

Dass das Museum durchaus auch wünscht, mit seiner Ausstellung neue Besucherschichten zu erobern, zeigt sich schon im Foyer. Hier kann man sich auf eine japanische Bogenbrücke stellen, die schon Monets Garten zierte, und mit dem Magical Girl Seven der Zeichnerin Pummelpanda ein Selfie machen.

Für den Tunnel, der zum "klassischen", ersten Ausstellungsteil führt, hat Pummelpanda einen Manga geschaffen, der traditionell von rechts nach links - also in "Laufrichtung" gelesen werden muss. Wenn die Kids dann schon mal am Ende angekommen sind, so steht zu hoffen, werden sie auch noch die paar Stufen nach oben gehen.

Manga-, Anime- und Spielkonsolenfans würden dann zum Beispiel entdecken, dass ihr Hang zum "Cosplay" so neu gar nicht ist. Schon die Menschen der Moderne nämlich kleideten sich gern im Stil ihrer japanischen Vorbilder. Und hüllten ihre Musen und Modelle im Stil der Geishas in japanische Gewänder (William Merritt Chase: "Eine gemütliche Ecke. Der blaue Kimono", um 1888).

Schön wäre das also schon. Und ein echter Gewinn. Denn gerade der Monet & Co. gewidmete Teil der Schau hat es verdient, von möglichst vielen Besuchern gesehen zu werden. Ein echtes Highlight des langsam ausklingenden Ausstellungssommers, das leider zur japanischen Kirschblüte schon wieder geschlossen hat.

"Im Japanfieber. Von Monet bis Manga" ist noch bis zum 20. Januar 2019 zu sehen. Zum ersten Teil der Ausstellung ist ein Katalog erschienen, der Abbildungen von weit mehr Werken zeigt, als im Museum zu sehen sind - und schon von daher die Anschaffung lohnt.

Stand: 28.08.2018, 13:39 Uhr