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Harry Martinson: Reisen ohne Ziel

Harry Martinson, um 1950

Harry Martinson: Reisen ohne Ziel

Sieben Jahre ist Harry Martinson als Schiffsheizer zu See gefahren – jeden mühsamen Handgriff unter Deck spürt man in den phantastischen Beschreibungen des späteren Literaturnobelpreisträgers.

Nach der Sendung am Samstag hier zum Nachhören, befristet bis zum 2. März 2019.

Buchcover: Harry Martinson, Reisen ohne Ziel

Harry Martinson macht sich keine Illusionen darüber, was aus der christlichen Seefahrt geworden ist - eine Tonnageindustrie, deren Maschinen ruhelos auf Hochtouren laufen müssen. Einen vergleichbar nüchternen Blick von unten hat allenfalls B.Traven mit seinem Roman "Das Totenschiff" in die Literatur eingebracht. Und doch schwingt bei Martinson immer auch die Begeisterung des "Weltnomaden" mit, der heimatlos Zuflucht nimmt zu den tausendfachen bunten Erscheinungen. Martinson, 1904 geboren, war früh auf sich allein gestellt – der Vater war gestorben, die Mutter ohne ihre Kinder in die USA ausgewandert. Erschienen sind einige der Reisefeuilletons vor der ersten Buchausgabe 1932 in progressiven Zeitschriften und Zeitungen, als sich Martinson in einem Kreis von jungen Arbeiterschriftstellern gerade einen Namen als "Wunderkind" und "Naturgenie" machte – sein assoziativer Stil, seine überraschende Poesie sind ohne direktes literarisches Vorbild. 1974 wurde Martinson zusammen mit Eyvind Johnson der Nobelpreis für Literatur zuerkannt, was in Schweden eine Debatte über "unschwedisches" Schreiben und "Provinzialismus" auslöste. 1978 beging Martinson mit einer Schere Selbstmord.

Harry Martinson: Reisen ohne Ziel. Aus dem Schwedischen von Verner Arpe und Klaus-Jürgen Liedtke. Guggolz Verlag Berlin 2017, 411 Seiten, 23,00 Euro

Ausstrahlung: Lesezeichen vom 18. bis zum 22. Februar 2019, Lesung am 23. Februar 2019
Gelesen von Hans Martin Stier
Redaktion: Imke Wallefeld
Produktion: WDR 2019

Stand: 13.02.2019, 12:10