Die schwedische Kinderbuchautorin Astrid Lindgren

Zum 20. Todestag von Astrid Lindgren am 28.1.2022

Astrid Lindgren - Die Menschheit hat den Verstand verloren

Stand: 17.01.2022, 14:05 Uhr

Zur Zeit des Zweiten Weltkriegs war Astrid Lindgren noch keine weltbekannte Kinderbuchautorin, sondern Stenografin, Hausfrau und Mutter – und sie führte Tagebuch. Mit scharfem Blick und einem bereits unverwechselbarem Tonfall kommentierte sie darin sechs Jahre lang das entsetzliche Kriegsgeschehen aus der Perspektive eines Landes, das verschont geblieben war.

Ausstrahlung:
Lesezeichen vom 24. Januar bis 28. Januar 2021, 14.45 bis 15.00 Uhr.
Lesung am 29. Januar 2021, 16.04 bis 17.00 Uhr.

Die Lesung steht nach der Sendung am Samstag jeweils für 7 Tage zum Nachhören zur Verfügung.

Zur Zeit des Zweiten Weltkriegs war Astrid Lindgren noch keine weltbekannte Kinderbuchautorin, sondern Stenografin, Hausfrau und Mutter – und sie führte Tagebuch. Mit scharfem Blick und einem bereits unverwechselbarem Tonfall kommentierte sie darin sechs Jahre lang das entsetzliche Kriegsgeschehen aus der Perspektive eines Landes, das verschont geblieben war.

Was veranlasste Astrid Lindgren, bei Ausbruch des Krieges 1939 ein Tagebuch anzulegen? Zum ersten Mal in ihrem Leben habe sie eine tiefe politische Überzeugung gehabt, so hat es die Autorin später einmal erklärt. Während sie in Stockholm weiterhin unbehelligt im Park spazierengehen oder den Gabentisch zu Weihnachten vergleichsweise reichlich eindecken konnte, war das restliche Europa vom Krieg geschüttelt, rückten die Fronten immer näher – Finnland wurde von der Sowjetunion angegriffen, Dänemark und Norwegen von den Nazis besetzt. In Schweden konnte man die Geschehnisse gleichsam von außen verfolgen und war doch rundum von ihnen umgeben.

Astrid Lindgrens Kriegstagebücher sind ein einmaliges Zeitdokument, in dem sie, die lebenslang überzeugte Pazifistin, bereits Fragen an die Menschheit stellt, die auch heute wieder erschreckend aktuell sind: Wie kann man radikalen politischen und gesellschaftlichen Strömungen begegnen? Kann ein Land sich, wenn die Nachbarn angegriffen werden, "neutral" aus allem heraushalten? Wie soll man als Einzelner Stellung beziehen? Daneben schildern die Tagebücher authentisch das Alltagsleben einer schwedischen Familie während der Kriegsjahre – und zeigen eine Astrid Lindgren, die noch keinerlei Pläne hatte, Schriftstellerin zu werden, kurz bevor sie dann 1945 mit der Veröffentlichung von "Pippi Langstrumpf" schlagartig berühmt wurde.  

Literaturangaben:
Astrid Lindgren: Die Menscheit hat den Verstand verloren: Tagebücher 1939-1945
Aus dem Schwedischn von Angelika Kutsch
Ullstein Verlag, 2016
592 Seiten, 18 Euro

Sprecherin: Eva Mattes
Redaktion: Stefanie Laaser