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Barbara Honigmann: Georg

Cover Barbara Honigmann: Georg

Barbara Honigmann: Georg

Aus der Distanz eines eigenen gelebten Lebens verfolgt Barbara Honigmann den höchst widersprüchlichen Lebensweg ihres Vaters, des jüdischen Emigranten und deutschen Kommunisten Georg Honigmann.

Nach der Lesung am Samstag hier zum Nachhören, befristet bis zum 11. Mai 2019.

Er war ein homme à femmes, ein Glücksritter und Bohemien - und er hatte den Blick für den richtigen Moment. Als junger Journalist der Vossischen Zeitung ließ er sich ohne ein Wort Englisch zu sprechen als Korrespondent nach London schicken. Dort überstand er unbeschadet Weltkrieg und Shoah. In London traf er auch auf die Mutter der Autorin, Litzy, die vor diesem jungen Deutschen schon Kim Philby politisiert und zum Kommunismus verführt hatte. Nach dem Krieg gingen die Eltern auf Beschluss der Partei in die sowjetisch besetzte Zone, wo 1949 ihre Tochter Barbara zur Welt kam. Als sie eingeschult wird, lassen sich die Eltern scheiden.

Georg Honigmann wird in der DDR zunächst Chefredakteur der "BZ am Abend", er arbeitet als Produzent satirischer Kinofilme für die DEFA, wird Direktor des Kabaretts "Die Distel". Überall gerät er in Opposition zur Kulturbürokratie. Auch privat scheitert er mit seinen Ehen, Liebschaften und Affären.

Barbara Honigmann, 2014

Barbara Honigmann schildert nüchtern zugewandt ein Leben, "in dem vieles zerbrach". Und zeichnet mit dieser Biografie des Vaters dem Kommunismus ein menschliches Antlitz - mit all seinen Narben.

Barbara Honigmann: Georg. Carl Hanser Verlag München 2019, 160 Seiten, 18,- Euro

Ausstrahlung: Lesezeichen vom 29. April bis zum 3. Mai 2019, Lesung am 4. Mai 2019
Redaktion: Adrian Winkler
Produktion: WDR 2019

Stand: 09.04.2019, 12:20