Theodor Fontane: Ein Sommer in London

Theodor Fontane (1819-1898) /Tower Bridge

Theodor Fontane: Ein Sommer in London

Mit Anfang Dreißig reist der Schriftsteller Theodor Fontane in die englische Hauptstadt, um dort ein halbes Jahr zu leben. Hier schreibt er seine Reiseberichte, die er 1854 in dem Buch "Ein Sommer in London" veröffentlicht.

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Eigentlich ist Theodor Fontane in die Fußstapfen seines Vaters getreten, der Apotheker war. Früh schrieb er nebenbei Gedichte, verfasste wohl auch einen nicht überlieferten ersten Roman und viele Zeitungsartikel. Und er kümmerte sich sehr um literarisch-politische Kontakte. Dann gab er die Herstellung von Rezepturen auf und lebte zunächst vom journalistischen Schreiben. 1852 reiste er nach London, wo er schon als junger Wehrpflichtiger gewesen war, und schrieb dort Reisefeuilletons über die englische Hauptstadt und ihre Umgebung, die er an Zeitungen in der Heimat schickte. Eine Sammlung dieser Texte erscheint im Herbst 1854 auf Deutsch.  

Theodor Fontane, Wohnhaus in  6 St Augustine's Road, Camden, London

Fontanes für heutige Leser oft überraschende Urteile fallen auf. Die Häuser in London findet er alle furchtbar hässlich, selbst das Wohnviertel von St. James bezeichnet er als Karikatur. Als "großartige Bauten von relativer Makellosigkeit" lässt er nur St Paul’s Cathedral und das Britische Museum gelten; und selbst Westminster Abbey scheint ihm "mehr interessant als schön" zu sein. Aber Hampton Court Palace, das Schloss, das er nach einer Fahrt auf der Themse bei einem Picknickausflug kennengelernt hat, findet seine Gnade: vor allem, weil es dort einen Saal mit Holbein-Porträts des englischen Königshauses gibt. Außerdem ist Fontane begeistert, weil die Straßen von London so sauber sind, ganz anders als diejenigen zu Hause. Unverblümt äußert er sich auch über Eigenheiten der Engländern oder der Deutschen, die er zu beobachten meint: "Der Deutsche lebt um zu leben, der Engländer lebt um zu repräsentieren. In Deutschland lebt man glücklich, wenn man behaglich lebt, in England, wenn man beneidet wird." Und dann glaubt Fontane in der Mitte des 19. Jahrhunderts auch noch: "England ist praktisch, Deutschland ideal".

  • Theodor Fontane: Ein Sommer in London. Europäischer Literaturverlag Berlin 2014, 156 Seiten, 17,90 Euro
  • Theodor Fontane: Ein Sommer in London. Audiobuch Verlag 2010, 14,95 Euro

Ausstrahlung: Lesezeichen vom 13. bis 17. August 2018, Lesung am 18. August 2018
Gelesen von Charles Brauer
Redaktion: Imke Wallefeld
Produktion: Audiobuch Verlag 2010

Stand: 18.07.2018, 11:24