Vaterhunger - Ein Rückwärtsgesang

Manuel Gogos und sein Vater am Strand

Vaterhunger - Ein Rückwärtsgesang

Von Manuel Gogos

Der Tod des Vaters ist das wichtigste Ereignis im Leben eines Mannes, schrieb Sigmund Freud. Wie überlebt man den Verlust? Wie steht man vaterseelenallein in der Welt? Und wo hält sich der Vater nach seinem Tod versteckt? Eine Spurensuche.

Das Kulturfeature steht nach der Sendung am Samstag zum Nachhören bereit, befristet bis zum 9. November 2019.

Die schwarzen Fische haben den Vater gefressen, erzählt ein griechisches Volkslied. So muss der Sohn ins Meer hinab tauchen und den Vater retten. Der Sohn reist in die Hafenstadt Kavala, von wo der Vater einst mit einem Koffer voll Oliven nach Deutschland zog. "Seine Seele zieht ihn", sagen Griechen, wenn einer die Sehnsucht hat. In der alten Wohnung am Meer betreibt der Sohn seine "RePAPAraturen": mit dem Geschmack von Dörrfleisch auf der Zunge; beim Lesen von Psalmen; mit Klagegesängen, die die Toten herbeirufen können. Die Spurensuche führt den Autor, der heute selber Vater ist, auch zu dem Trauerforscher Jorgos Canacakis, der ihn lehrt: Trauer ist das Echo der eigenen Vergänglichkeit.

Von Manuel Gogos
Redaktion: Dorothea Runge
Produktion: WDR 2015

Stand: 21.10.2019, 16:36