Die Sklaven von Mauretanien - Mit Gospel für die Freiheit

Musiksession des "Madh"

Die Sklaven von Mauretanien - Mit Gospel für die Freiheit

Von Thilo Guschas und Mahmoud Tawfik

Als 11-jähriger floh Mokhtar vor seinen Herren. Jetzt ist er 17 und will auch seine Mutter aus der Sklaverei befreien. Die sträubt sich, kennt kein anderes Leben, hält Sklaverei für gottgegeben. Im Weg steht ihr ein Jahrhunderte altes Weltbild.

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Die Sklaven von Mauretanien - Mit Gospel für die Freiheit

WDR 3 Kulturfeature | 15.09.2018 | 53:01 Min.

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Abdel Nasser Ould Ethmane

Abdel Nasser Ould Ethmane, ehemaliger Sklavenhalter

Bis heute ist in der Islamischen Republik Mauretanien Sklaverei weit verbreitet. Bis zu 10 Prozent der Bevölkerung soll versklavt sein. Genaue Zahlen gibt es nicht. Trotz des offiziellen Verbots von 1981 wird Sklaverei nicht geahndet. Eine arabische Herrscherschicht unterdrückt in der westafrikanischen Republik ihre schwarzhäutigen Mitbürger, behandelt sie wie ihr Eigentum. Ethmane war einmal ein solcher Sklavenhalter. Mit sieben Jahren wünschte er sich anlässlich seiner Beschneidung einen Sklaven und bekam wie selbstverständlich einen kleinen, schwarzhäutigen Jungen geschenkt. Erst als der Sklavenhalter zufällig von Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit hörte, veränderte sich sein Weltbild. Die Ideale der französischen Revolution, von denen er zuvor nie gehört hatte, wurden für ihn zum Erweckungserlebnis, und er wollte seinen Sklaven gehen lassen. Doch so einfach, wie Ethmane sich das vorstellte, ging das nicht…

Mokhtar ist 17 und ein ehemaliger Sklave. Mit 11 Jahren ist er von seinen Herren geflohen wie zuvor sein Vater auch. Nun arbeitet er daran, auch seine Mutter aus der Sklaverei zu befreien. Bisher ohne Erfolg, denn seine Mutter will ihre Herren nicht verlassen. Sie hält Sklaverei für gottgegeben und will von ihrem Sohn nichts mehr wissen.

Mokhtar (17 Jahre) ist aus der Sklaverei geflohen

Mokhtar (17 Jahre) ist aus der Sklaverei geflohen

Sklaverei ist in der Islamischen Republik Mauretanien ein Tabuthema, Medienberichte darüber werden unterdrückt. Nur abends in den Slums, wenn die Leute "Madh" singen, eine Art islamischer Gospel, wird auch die Sklaverei zum Thema. Die Liedtexte senden eine Doppelbotschaft: Sie loben den Islam und kritisieren subtil die Herren - rufen gar auf zum Widerstand. Für den Jungen Mokhtar, der sich über das Verbot seiner Herren hinweg setzte und heimlich zum "Madh" schlich, wurden sie zum Erweckungserlebnis.

Mit Hilfe von Social Media versuchen die mauretanischen Sklaven "Madh" inzwischen auch über die Grenzen ihres Landes hinaus populär und bekannt zu machen – und damit auch das Thema Sklaverei.

Ausstrahlung am 15. September 2018, Wiederholung am 16. September 2018
Von Thilo Guschas und Mahmoud Tawfik
Redaktion: Dorothea Runge
Produktion: WDR/NDR/SWR 2018

Stand: 15.09.2018, 12:05