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Nachbildbeschleunigung: Der Dichter Thomas Kling

Der Schriftsteller Thomas Kling

Nachbildbeschleunigung: Der Dichter Thomas Kling

Von Ulrike Janssen und Norbert Wehr

Am 1. April 2005, vor fünfzehn Jahren, starb der Dichter Thomas Kling im Alter von 47 Jahren an Lungenkrebs. Thomas Kling gilt vielen als der bedeutendste deutsche Dichter seiner Generation.

"Wir werden noch eine Weile brauchen, bis wir begreifen: Der Verlust dieses Dichters ist nur mit jenem zu vergleichen, den der Tod Paul Celans bedeutet hat ..." schrieb Marcel Beyer in seinem Nachruf auf den Freund Thomas Kling.

Thomas Kling in der literaturWERKstatt berlin am 23.04.1993

1957 in Bingen geboren, hatte Thomas Kling Mitte der achtziger Jahre, als selbsternannter Nachfahr der Avantgardisten Artmann und Prießnitz, mit seinen "Sprachinstallationen" die literarische Bühne betreten – laut, aggressiv und kompromisslos. Am Ende seines Lebens, in seinem letzten Band "Auswertung der Flugdaten", waren es die Antimodernisten George und Borchardt, denen er luzide Essays widmete.

Dazwischen entstanden in zwanzig Jahren zahlreiche Bände, in denen Kling, der Spracharchäologe und Sprachekstatiker, die verschiedenen Schichten von Tradition, Experiment und Moderne in bis dahin unerhörter Form miteinander verband.

Thomas Kling in der literaturWERKstatt berlin am 23.04.1993

Wie kaum ein zweiter Lyriker seiner Generation öffnete er das Gedicht für die unterschiedlichsten Sprach- und Sprechweisen und interessierte sich nicht nur für zeitgenössische Lebens- und Medienwelten, sondern auch für historische, geologische, biologische und naturgeschichtliche Phänomene. Das Gedicht, so sein Anspruch, habe ein Wahrnehmungsinstrument zu sein, "das kleinste subkutane Bewegungen der Sprache sichtbar und hörbar zu machen versteht".

Ulrike Janssen und Norbert Wehr zeichnen ein Porträt, in dem vor allem Thomas Kling selbst zu Wort kommt: in zum Teil unbekannten Tonaufnahmen, darunter auch dem letzten im Todesjahr aufgezeichneten Gespräch mit ihm, einem beeindruckenden Dokument.

Ausstrahlung am 28. März 2020, Wiederholung am 29. März 2020
Von Ulrike Janssen und Norbert Wehr
Redaktion: Imke Wallefeld
Produktion: WDR 2006

Stand: 24.03.2020, 10:07