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Doğan Akhanlı: "Ich flüchte mich ins Schreiben"

Der türkischstämmige Schriftsteller Dogan Akhanli sitzt am 17.10.2017 in einem Restaurant im Zentrum von Madrid

Doğan Akhanlı: "Ich flüchte mich ins Schreiben"

Von Birgit Morgenrath

Verhaftet, gefoltert, geflohen: Doğan Akhanlı wurde in der Türkei verfolgt und musste 1991 nach Deutschland fliehen. Im Exil begann er zu schreiben. Spätestens seitdem die türkische Justiz ihn 2017 in Spanien festsetzen ließ, wächst auch das Interesse des deutschen Publikums an seinem literarischen Werk.

Das Feature steht nach der Sendung befristet zum Download zur Verfügung.

Doğan Akhanlı: "Ich flüchte mich ins Schreiben"

WDR 3 Kulturfeature | 05.01.2019 | 49:37 Min.

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Er schreibt, um sich der Geschichte zu stellen, und Heilung zu finden, bekennt Akhanli. In jungen Jahren verdiente er seinen Lebensunterhalt als Fischer und Instrumentenbauer; studierte später Geschichte und ging als linksgerichteter Opponent des türkischen Militärregimes in den Untergrund. Haft und Folter waren eine prägende Erfahrung, die er schreibend verarbeitete. Mit dem auch ins Deutsche übersetzten Buch "Die Richter des Jüngsten Gerichts" thematisierte er den Genozid an den Armeniern im Jahr 1915, bis heute ein Tabu in der Türkei. Völkermorde und wie wir uns ihnen stellen sind sein Lebensthema geblieben. Dafür wird er bis heute verfolgt. Die Erzählung "Sibirien" und das Buch "Verhaftung in Granada" halfen ihm, das Unerträgliche kreativ zu wenden. Heute ist Doğan Akhanlı ein mehrfach ausgezeichneter Schriftsteller und Menschenrechtler. Sein Freund Faith Akin sagt von ihm, er sei ein "Vaterlandsverräter und ein Machtverächter, also ein guter Mensch".

Literatur:

  • Doğan Akhanlı: Die Richter des Jüngsten Gerichts. Aus dem Türkischen von Hülya Engin. Kitab-Verlag Klagenfurt 2007, 240 Seiten, 18,00 Euro
  • Doğan Akhanlı: Verhaftung in Granada oder Treibt die Türkei in die Diktatur? Aus dem Türkischen von Hülya Engin. Kiepenheuer & Witsch Köln 2018, 224 Seiten, 9,99 Euro

Ausstrahlung am 5. Januar 2019, Wiederholung am 6. Januar 2019
Von Birgit Morgenrath
Redaktion: Thomas Nachtigall
Produktion: DLF 2018

Stand: 12.12.2018, 10:07