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Robert Schumann - Märchenbilder, op. 113

"Ich wandte mich und sah an alles Unrecht ..." - Der Komponist Bernd Alois Zimmermann

Notenblatt der "Rheinische Kirmestaenze" von Bernd Alois Zimmermann/Bernd Alois Zimmermann vor 1965

"Ich wandte mich und sah an alles Unrecht ..." - Der Komponist Bernd Alois Zimmermann

Von Stefan Zednik

Heute gilt er als einer der bedeutenden Komponisten des 20. Jahrhunderts und seine Oper "Die Soldaten" zählt zu den größten Werken des Musiktheaters. Dabei wurden die Kompositionen des 1918 geborenen Kölners Bernd Alois Zimmermann keineswegs von Anfang an zur Avantgarde gezählt.

Das Feature steht nach der Sendung befristet bis zum 24. März 2018 zum Nachhören zur Verfügung.

Bernd Alois Zimmermann (l.), unterhält sich mit dem Dirigenten und musikalischen Leiter Michael Gielen während einer Probe zu "Die Soldaten" im Kölner Opernhaus am 12. Februar 1965

Bernd Alois Zimmermann (l.), im Gespräch mit dem Dirigenten Michael Gielen

Er war ein Musiker zwischen den Generationen, traditionsbewusst, gläubiger Katholik und seiner rheinischen Heimat eng verbunden. 1945 - zum auch musikalischen Neubeginn - war Bernd Alois Zimmermann zu alt, um noch zu den "ganz Jungen" und zu jung um zu den "Arrivierten" zu gehören. Er schöpfte aus der musikalischen Tradition: Vom barocken Chorsatz bis zur Jazzcombo, von der Gregorianik bis zur seriellen "Zwölftönerei" machte er diese Kenntnisse wie kein Anderer für seine eigenen Kompositionen nutzbar.

Bernd Alois Zimmermann

Zimmermanns Werk ist ebenso schillernd wie vielseitig: von Film-, Theater- und Hörspielmusik zu den "Rheinischen Kirmestänze", von der Oper "Die Soldaten" über das "Requiem für einen jungen Dichter" bis zu seiner ekklesiastischen Aktion "Ich wandte mich und sah an alles Unrecht, das geschah unter der Sonne". Auftraggeber des letzten Werks, das Zimmermann fünf Tage vor seinem Tod fertig gestellt hatte, war Hans Zender, Zeitzeuge, selbst Komponist und eng mit Zimmermann befreundet. Von manchen wurde Zimmermann als "Gebrauchsmusiker" missachtet, heute gilt der Komponist als der relevanteste Vertreter der musikalischen Nachkriegs-Moderne, die er selbst an ein Ende gekommen sah. Er wollte oder konnte an deren Weiterentwicklung nicht mehr teilhaben und nahm sich im Alter von 52 Jahren das Leben. Am 20. März wäre er einhundert Jahre alt geworden.

Ausstrahlung am 17. März, Wiederholung am 18. März 2018
Von: Stefan Zednik
Redaktion: Dorothea Runge
Produktion: WDR 2018

Stand: 09.02.2018, 12:25