Volksfeind und Heiliger - Solschenizyns Rückkehr nach Russland

Alexander Solschenizyn bei seiner Ankuft am 11.12.1994 in Russland nach 20 Jahren Exil

Volksfeind und Heiliger - Solschenizyns Rückkehr nach Russland

Von Mario Bandi

Rotarmist und Philosoph, Gulag-Häftling, Überlebender, Mahner und Literaturnobelpreisträger, Exilierter, Rückkehrer, Gläubiger und Nationalist – Stationen auf dem Lebensweg des vor 100 Jahren geborenen Alexander Issajewitsch Solschenizyn. Ein Jahrzehnt nach seinem Tod streiten die Russen über sein Vermächtnis.

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Volksfeind und Heiliger - Solschenizyns Rückkehr nach Russland

WDR 3 Kulturfeature | 08.12.2018 | 53:00 Min.

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Alexander Solschenizyn und Vladimir Putin, 12.06.2007

Perm im Ural: Die Region war eines der größten Gebiete im Archipel Gulag. Die Alten hier erinnern sich deutlich an die Zeit des Großen Terrors. Sie sind Überlebende der Arbeitslager oder Kinder der Überlebenden. Von ihren Geschichten will das offizielle Russland nichts mehr wissen. Allein Aktivisten der regierungskritischen Organisation "Memorial" hören ihnen noch zu. In diesem Jahr steht die "Memorial"-Expedition im Zeichen des 100. Geburtstages von Alexander Solschenyzin. Aus seinen Büchern weiß die Welt von Menschlichkeit und Niedertracht im System der stalinistischen Straflager. Erst nach der Perestroika wurde "Archipel Gulag" auch in der Sowjetunion veröffentlicht, jetzt droht sein Hauptwerk aus dem Literaturkanon der Schulen zu verschwinden. Und so kämpft "Memorial" auch gegen das Vergessen von Solschenyzins Literatur – nicht unbedingt für Solschenyzin. Denn der Nobelpreisträger, der 1994 aus dem Exil nach Russland zurückkehrte und 2008 starb, ist in seinen letzten Lebensjahren Wladimir Putin sehr nahegekommen. Er verurteilte Gorbatschow, verteufelte alles Westliche und pries die orthodoxe Kirche. Am Ende war er zum Propheten einer großrussischen Idee mutiert, vom Marxisten zum orthodoxen Christen mit Heiligenstatus.

Ausstrahlung am 8. Dezember 2018, Wiederholung am 9. Dezember 2018
Von Mario Bandi
Redaktion: Thomas Nachtigall
Produktion: DLF/rbb/WDR 2018

Stand: 16.11.2018, 13:52