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"Vater und Sohn"-Ausstellung in Troisdorf

"Vater und Sohn"-Ausstellung in Troisdorf

Das Bilderbuch Museum in Troisdorf zeigt die "Vater und Sohn"-Geschichten von e.o.plauen in einer Ausstellung und ergänzt die historischen Werke um die moderne Aufarbeitung der Comic-Reihe durch Ulf K. und Marc Lizano.

Vater und Sohn - eine Bildergeschichte von e.o. plauen

Viele kennen die Bildergeschichten von e.o.plauen vermutlich aus der Schule. Im Deutschunterricht sollte man interpretieren, was diese Bildergeschichten ausdrücken wollen. Meist war das Fazit: Auch Väter sind keine unantastbaren Alleskönner.

Viele kennen die Bildergeschichten von e.o.plauen vermutlich aus der Schule. Im Deutschunterricht sollte man interpretieren, was diese Bildergeschichten ausdrücken wollen. Meist war das Fazit: Auch Väter sind keine unantastbaren Alleskönner.

Im Mittelpunkt der Bildergeschichten stehen der kleine Sohn und sein kugelrunder Vater, die zusammen jede Menge Spaß haben - wenn sie sich gegenseitig ernst nehmen. Der Schöpfer der Geschichten ist e.o.plauen. Ein Pseudonym, hinter dem der Zeichner Erich Ohser aus Plauen steckt. Ohser hat es verstanden, Geschichten zu zeichnen, die auch heute noch geliebt und verstanden werden. Er hat auf eigene, liebenswerte, manchmal auch melancholische Weise die Beziehung zwischen Vater und Sohn zu Papier gebracht.

Erich Ohser hat seine wunderbar leichten Geschichten von Lausbub und Lausvater mitten hineingezeichnet in die Welt des Nationalsozialismus. Eigentlich stand Ohser in der Weimarer Republik den Sozialdemokraten nahe. Er hatte Karikaturen gezeichnet, in denen jemand aus Verachtung für die heraufziehende braune Brut das Hakenkreuz in den Schnee pinkelt. Daraufhin konnte Ohser nur noch unter Pseudonym veröffentlichen - und nur noch unpolitische Bilder verkaufen. So entstanden die Geschichten von "Vater und Sohn": ein alleinerziehender Vater, der sich immer wieder vom Unfug des Sohnes zu noch größerem Unfug anstiften lässt und nicht selten selbst der Anstifter ist. 

Ohser selbst hat die Serie 1937 beendet. Der gewaltige Erfolg war ihm unheimlich geworden. Er musste sich weiter durchschlagen in einem immer bedrohlich werdenden Deutschland. 1944 wird Ohser, der zunehmend verzweifelt ist über die aussichtslose Lage in Deutschland, verhaftet, denunziert von Nachbarn. Ihm wird staatsfeindliche Hetze vorgeworfen, weil er gemeinsam mit seinem alten Freund Erich Knauf im Luftschutzkeller schlecht über Hitler geredet hatte - Galgenhumor angesichts des Elends. Einen Tag vor Prozessbeginn erhängt sich Erich Ohser 41-jährig in seiner Zelle. Zurück bleiben seine Witwe Marigard und sein geliebter Sohn Christian, der 13 Jahre alt ist, als sich der Vater das Leben nimmt.

Ohsers Geschichten bleiben lebendig. So lebendig, dass vor zwei Jahren die Zeichner Marc Lizano und Ulf K. gemeinsam begonnen haben, "Neue Geschichten von Vater und Sohn" zu erzählen. Sie haben den Geist von Erich Ohsers ewig modernem Paar aufgegriffen und in die Gegenwart geholt. Ulf K., der für den Strich verantwortlich ist, hat die Figuren behutsam modernisiert und Elemente seiner Comicwelt hinzugefügt, etwa die Dialoge in Piktogrammen.

Ulf K. (links) und Marc Lizano (rechts) gelingt es tatsächlich ganz selbstverständlich, die Geschichten von Vater und Sohn fortzuschreiben, vielleicht weil ihr Kern so sehr in unsere Zeit passt, in der Väter und Söhne nicht mehr unbedingt um Vorherrschaft und Abgrenzung ringen müssen, vielleicht aber auch, weil beide Zeichner den heiter melancholischen Ton Erich Ohsers so genau treffen.

Ohser ließ übrigens "Vater und Sohn" 1937 nach einem langen Weg direkt in den Mond hinein wandern, der dann als Vaters Ebenbild am Firmament hing. Der Sohn darunter als Abendstern.

Ulf K. und Marc Lizano beginnen an derselben Stelle und lassen beide aus dem Mond herausklettern. In eine erfolgreiche Zukunft.

Im Bilderbuch Museum in Troisdorf können sich Väter und Söhne, Eltern und Kinder bis zum 1. Juli 2018 ein eigenes Bild machen von der stummen Erzählkunst dreier Comiczeichner aus zwei Jahrhunderten, die ein ewiges Thema beschreiben: Vater und Sohn. Denn ein Zitat Erich Ohsers trifft auf alle zu: "Ich bin als Kind geboren und habe mich zum Vater emporgearbeitet - habe sozusagen von der Pike auf gedient."

Stand: 28.02.2018, 14:44 Uhr