Deniz Yücel: "Wir sind ja nicht zum Spaß hier"

Deniz-Yücel

Deniz Yücel: "Wir sind ja nicht zum Spaß hier"

Vor einem Jahr (14.02.2017) wurde Deniz Yücel, der Korrespondent der Welt, verhaftet. Bis heute sitzt er in der Türkei in Haft, ohne Anklageschrift. Jetzt erscheint ein Band mit Texten Yücels. Herausgeberin Doris Akrap im Gespräch mit WDR 3.

WDR: Frau Akrap, wie geht es Herrn Yücel?

Dilek Mayatürk-Yücel spricht ins Mikrofon, im Hintergrund ein Bild von Deniz Yücel

Dilek Mayatürk-Yücel

Doris Akrap: Das kann ich Ihnen leider nicht sagen, da ich ihn seit über einem Jahr nicht gesehen habe und nicht gesprochen haben. Ich weiß nur das, was die Anwälte und die Ehefrau, die ihn regelmäßig sehen, sagen. Nämlich, den Umständen entsprechend gut.

WDR: Sie können also nicht direkt mit ihm sprechen, nicht mailen, nicht Briefe schreiben. Und dennoch kommt jetzt dieser Band raus, den sie beide gemeinsam zusammengestellt haben. Wie?

Doris Akrap: Eigentlich so, wie man das auch in dem Fall herausgibt, wenn der Autor nicht im Gefängnis sitzt. Nämlich über die Diskussion, welche Texte man da überhaupt herausgibt - allerdings über diesen schwierigen Weg der Anwälte.

Alles, was ich Deniz zu sagen hatte, was die Auswahl betrifft, Titel, die Änderungen in den Texten, das lief eben über die Anwälte. Ich habe ihnen meine Anmerkungen per Mail geschickt, sie haben es Deniz gezeigt und er hat dann darauf geantwortet.

Und wenn man normalerweise so zwei, drei Tage braucht, um so eine Diskussion über einen Text zu führen, hat das irgendwie zwei, drei Wochen gedauert, weil die Anwälte nicht jeden Tag in das Gefängnis gehen können. Der Weg von Istanbul nach Silivri dauert über zwei Stunden.

WDR: Sie hatten auch schriftliche Anmerkungen von ihm, ich glaube 400 handgeschriebene Seiten. Was hat es damit auf sich?

Doris Akrap: Genau. Die hat Deniz im Vorfeld erstellt, als wir dann irgendwann entschieden haben, wir machen das. Es war sein Wunsch, die Texte als Buch herauszubringen und zwar deswegen, weil wir als Freundeskreis mehrere Lesungen seiner Texte veranstaltet haben. Wahnsinnig viele Leute kamen aber oft nicht mehr rein. Das hat mitbekommen und sagte, dann machen wir doch ein Buch.

#Free Deniz

Ich fand die Idee so halb toll, weil ich wusste, dass ich dann diejenige bin, die dafür zuständig ist, dass dieses Buch irgendwann gemacht wird (lacht). Dass es eben schwierig und umständlich ist und keine normale Produktion wird. Aber es war ein Herzenswunsch von ihm. Und es hat auch großen Spaß gemacht, weil es teilweise auch sehr komisch war.

Deniz ist ein furchtbarer Pedant. Dann bat er mich die türkischen Sonderzeichen doch bitte in die Texte einzugeben, von denen ich einige vergessen hatte. Damit war ich dann fast eine Woche beschäftigt. Große Punkte auf Istanbul zu setzen und so weiter. Aber er hat natürlich Recht.

WDR: Welche Hoffnungen verbinden Sie und Deniz Yücel mit diesem Buch?

Doris Akrap: Die Hoffnung ist, dass noch mehr Leute als bisher seine Texte lesen, zur Kenntnis nehmen, sich ein Bild machen, was für ein Autor er ist. Die Hoffnung darauf frei zu kommen, das auf keinen Fall. Darum geht es ja auch nicht. Es geht uns in erster Linie vor allem darum, das für ihn zu machen. Dass er weiß, dass er in dieser Einzelhaft nicht vergessen wird, dass wir hinter ihm stehen.

Das Gespräch führte Katrin Weller in WDR 3. Das ganze Gespräch können Sie anhören:

Deniz Yücel "Wir sind ja nicht zum Spaß hier"

WDR 3 Kultur am Mittag | 13.02.2018 | 13:08 Min.

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Stand: 13.02.2018, 15:15