Live hören
Jetzt läuft: Koeln19 So Fare von Bertelmann, Volker

Glücklich alt werden

Rentner bei der Suppenausgabe

Glücklich alt werden

Im hohen Alter leiden Menschen oft an Unzufriedenheit, sind nicht glücklich. Wissenschaftler haben nun herausgefunden, dass es älteren Menschen besser geht, wenn sie sozial aktiv sind - ganz unabhängig von ihrer Gesundheit. WDR 3 hat mit dem Leiter der Studie, Professor Denis Gerstorf, gesprochen.

"Hauptsache gesund", hört man des Öfteren in Gesprächen mit Menschen im letzten Lebensabschnitt, doch eine neue Studie hat ergeben, dass auch die soziale Aktivität eine wichtige Bedeutung für das Wohlbefinden hat. Die Bedeutung des körperlichen Gesundheitszustands sei gar nicht so groß, wie man denke, sagte Professor Denis Gerstorf von der Humboldt-Universität Berlin im Gespräch mit WDR 3. "Wer sich sozial engagiert, lebt und stirbt zufriedener", fasst Gerstorf zusammen. In den letzten Jahren vor dem Tod nehme das Wohlbefinden häufig stark ab. Doch wer mit mehr sozialen Werten in die letzte Phase des Lebens geht und auch bei einem schlechten Gesundheitszustand sozial aktiv bleibt, dem geht es besser, so das Ergebnis der Studie.

Studie mit fast 3.000 Teilnehmern

Die Universität hat zusammen mit Längsschnittstudie Soziooekonomisches Panel (SOEP) die Daten von 2.910 verstorbenen Personen untersucht, die vor ihrem Tod bis zu 27-mal an einer jährlich durchgeführten Erhebung teilgenommen hatten. Das Durchschnittsalter zum Zeitpunkt ihres Todes betrug 74 Jahre und das Verhältnis von Männern und Frauen war ausgeglichen. Das Ergebnis: Ein sozial aktives Leben, als auch das Verfolgen von sozialen Zielen, stehen in einem Zusammenhang mit einem höheren Wohlbefinden in der letzten Lebensphase - und zwar unabhängig davon, wie gesund die Menschen waren, die an der Studie teilgenommen haben. Auch Behinderungen, Krankenhausaufenthalte, das Geschlecht, der sozio-ökonomische Status und der Bildungsstand spielen laut Studie bei dem Effekt keine Rolle.

Soziale Aktivität bestimmt Qualität - und auch Quantität des Lebens

"Die soziale Aktivität bezieht sich auf den Besuch von kulturellen Veranstaltungen, auf Sport, auf ehrenamtliche Aufgaben und auf die Teilnahme von Bürgerinitiativen", so Gerstorf. Wer diesen Kontakten einen hohen Wert zumesse, sei glücklicher - aus verschiedenen Gründen. "Weil sie etwas machen, dass ihnen Freude bringt, das ihr Selbstwertgefühl und das Erleben ihrer eigenen Kompetenzen stärkt, das ihnen das Gefühl gibt, dass sie in ihrem Leben noch etwas bewegen können", so Gerstorf. Zudem trage ein sozial aktiver Lebensstil dazu bei, dass man kognitiv, geistlich und körperlich gefordert und gefördert wird. Insofern bestimmte die soziale Aktivität nicht nur die Qualität des Lebens im hohen Alter, sondern auch dessen Quantität.

"Das hätten wir so nicht erwartet"

Die Stärke des Effektes liegt bei annähernd zehn Prozent im Hinblick auf die Höhe des Wohlbefindens; und bei beinahe zwanzig Prozent in Bezug auf dessen Abnahme kurz vor dem Tod. "Wir fanden es erstaunlich zu sehen, dass die Zusammenhänge von sozialer Teilhabe und Wertschätzung mit dem Wohlbefinden - also wie zufrieden Menschen mit ihrem Leben sind - auch am Ende des Lebens so ausgeprägt sind. Das hätten wir so nicht erwartet“, sagt Professor Gerstorf.

Ein Beitrag der Sendung WDR 3 - Kultur am Mittag

Stand: 06.04.2016, 12:12