Nachruf auf Dr. Ulrich Kurth

Ulrich Kurth.

Nachruf auf Dr. Ulrich Kurth

Der langjährige WDR-Jazzredakteur und Leiter der Programmgruppe Musik bei WDR 3, Dr. Ulrich Kurth, ist am 12. August 2021 nach langer Krankheit im Alter von 67 Jahren verstorben.

Ulrich Kurth, Tom Rainey, Gianluigi Trovesi, Markus Stockhausen (v.l.n.r.)

Ulrich Kurth, Tom Rainey, Gianluigi Trovesi, Markus Stockhausen (v.l.n.r.)

Im Dezember 1984 begann er seine Tätigkeit im WDR – zunächst als Redakteur beim Kabelpilotprojekt Dortmund, wo er nicht nur die Musik für das Hörfunk-Tagesprogramm zusammenstellte, sondern auch eine eigenes „Abendstudio“ gestaltete und moderierte. Seinem weiten künstlerischen Horizont entsprechend ignorierte er dabei die Genre-Grenzen und schöpfte aus den Bereichen Jazz, Folk, Sinfonie und Kammermusik, experimenteller Rock und Kabarett.

Mit dem Jahresbeginn 1987 wechselte er zum Landesstudio Bielefeld. Dort moderierte und verantwortete er die Sendung „Musikszene West“, deren fundierte und vielseitige Berichterstattung über das Musikleben in Ostwestfalen bisweilen heute noch vermisst wird. In Bielefeld bewährte sich schon sein Talent als Produzent; er übertrug Live-Konzerte aus den Kurorten der Region, brachte Weihnachts- und Platzkonzerte auf den Sender. Höhepunkt war dabei jedes Mal ein großes, jährliches Folkfestival aus Bielefeld.

Anfang 1990 kam Ulrich Kurth zu WDR 3 in die Redaktionsgruppe Jazz. Dort war er redaktionell und teilweise auch als Moderator zuständig für das „Jazzmeeting WDR“ und das „WDR Jazzforum“. Das – durchaus ja fachkundige und kritische – Jazzpublikum liebte ihn wegen seiner nie erlahmenden musikalischen Neugier und wegen seiner Fähigkeit, die  eigene Begeisterung in die Wohnungen und Autos der Radiohörer zu übertragen. Kurth war allerdings nicht nur ein leidenschaftlicher Musikjournalist, sondern auch ein großer Ermöglicher, ein Entdecker von musikalischen und journalistischen Talenten. Er initiierte zahllose waghalsige Projekte, nicht nur im Feld der Improvisierten Musik. Vielen wichtigen Institutionen des Jazz – etwa dem Moers Festival oder dem Kölner Stadtgarten – war er ein engagierter und verlässlicher Partner. Es war charakteristisch für seine regionale Verbundenheit, dass ihm Newcomer aus dem Sendegebiet immer wichtiger waren als internationale Stars. Aber auch letztere wussten, was sie an ihm hatten. Musikalische Freiheiten und musikjournalistische Prinzipien konnte er ebenso konsequent wie charmant verteidigen.

Dem Radiopublikum hat er mit seiner angenehmen Art am Mikrophon und auf der Bühne die Angst vor unbekannten Klängen genommen. Grenzen überwinden und über sich hinaus wachsen, beim Hören wie beim Musizieren - kaum jemand konnte uns mit so viel Selbstverständlichkeit und Kompetenz davon überzeugen, wie leicht das ist.

Zeitweise hatte er die Leitung der Programmgruppe Musik WDR 3 inne. Am 1. Dezember 2002 wechselte er in den Ruhestand. Seine schwere Erkrankung zwang ihn dazu – lange vor der Zeit. Dass ausgerechnet dieser große Förderer und Beschleuniger selbst von einer Krankheit ausgebremst wurde, ist eine Tragödie, die nun ihr Ende gefunden hat. Wir werden ihn als einen feinsinnigen, empathischen, um Ausgleich bemühten Menschen in Erinnerung behalten.

Text: Markus Heuger / Werner Wittersheim