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WDR 3 Jazz & World: Die Woche mit Thomas Mau

Portrait Thomas Mau

WDR 3 Jazz & World: Die Woche mit Thomas Mau

Mit einer Liebeserklärung ans Mittelmeer beginnt Thomas Mau seine Woche, mit Musik von Paolo Fresu, Aline Frazao oder Piers Faccini.

Am Dienstag reisen wir durch Skandinavien und präsentieren Künstlerinnen wie Vildá, ein Künstlerinnenduo aus Lappland, der norwegischen Harfenistin Ellen Bödker oder einer Aufnahme aus dem Jahr 1951 der finnischen Sängerin Pauanne.

Der Chansonnier Charles Aznavour wäre am Mittwoch 95 Jahre alt geworden, Anlass genug, seine interessantesten Aufnahmen zu hören.

Der Donnerstag steht bei uns im Zeichen von Europa. Ein Kontinent und eine Idee, die auch das Jazzfest Bonn feiert.

Zum Wochenausklang widmen wir uns dem Thema Zeit in all seinen musikalischen Formen. Mit Musik von Chick Corea, Marcus Schmickler und Jaki Liebezeit oder Sarah Ferri.


Unsere Newsletter-Themen für die Woche vom 20. Mai - 24. Mai 2019


Verkörperte Eleganz – der Chansonnier Charles Aznavour

Charles Aznavour

Es war diese Eleganz. Diese unumstößliche Selbstverständlichkeit, mit der Charles Aznavour auf die Bühne trat oder vor die Mikrofone und die Kameras, wie er lässig schlenderte oder stehen blieb und sich in kleinen Bewegungen wog, gravitätisch, bescheiden, menschlich.

Wie er schließlich sang, zurückgenommen, ohne Druck, als müsse er ein wenig auf die Töne warten, die aus ihm aufstiegen – Aznavour war die Verkörperung der sehr speziell französischen Kunst des Chanson.

Ein Mann der Mehrdeutigkeit, der häufig von der Liebe sang und vom Verlust, vom Geschenk des Lebens und des Leidens, von der Fremdheit im Vertrauten. Das hatte mit seiner Migrationsgeschichte zu tun, damit, wie er am 22. Mai 1924 als Sohn von Überlebenden des Genozids an den Armeniern unter ärmlichen Verhältnissen in Paris geboren wurde und dem langen Weg, den er in der neuen Heimat zurücklegen musste, bevor er sich dort angekommen und angenommen fühlen konnte.

Erst 1947, nachdem Edith Piaf dem außergewöhnlichen Sänger und Chansonschreiber zum Durchbruch verholfen hatte, wurde die Familie Aznavour in Frankreich eingebürgert. Als Aznavour im vergangenen Oktober in Mouriès, einem kleinen Ort in der Provence starb, war er längst zu einer Ikone der französischen Kultur geworden.


Auf zum Tanz! Auf zum Jazzfest Bonn!

Feste zu feiern, wie sie fallen, könnte eine der Maximen des Jazz sein, eine seiner Stärken sowieso und auf jeden Fall voll anziehend und sympathisch. Schließlich ist er – zumindest zum Teil – so entstanden, auf Tanz- und Straßenfesten, bei Beerdigungsparaden, an öffentlichen und privaten Orten, wo das Feiern sehr widersprüchliche Emotionen vereinte.

Und wieder einmal ist es die frühere Hauptstadt, wo man entschlossen die Chancen ergreift und zusammenführt, was schon lange zusammengehört: Wohlstand, Lobbyismus, Paragraphenreiterei. Demokratie, Rechtsstaat, Internationalität. Jazz.

Es ist nur angemessen, wenn am Samstag, den 18. Mai in Bonn einige Feierlichkeiten ineinanderfallen: 10 Jahre Jazzfest, 70 Jahre Grundgesetz und Europarat, eine Woche bis zu einer europäischen Parlamentswahl, die im Fiasko enden könnte oder in einem Revival der Idee einer supranationalen Demokratie.

Auch hier, in Bonn im Mai 2019, geht es um einen Tanz auf der Rasierklinge, doch es hilft kein Stück, sich nicht auf ihn einzulassen. Feiern wir also, Mit dem richtigen Kreuz, mit der Rückbesinnung auf die Werte des Humanismus und der Demokratie – und mit guter, lebendiger Musik. Mit Jazz.

Europa

Texte: Stefan Hentz
Redaktion: Tinka Koch

Stand: 17.05.2019, 16:13