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Unbekannte Meister 4 - Eine Einführung in das Werk von Klara Khalil

Frau mit Hut Porträt ohne Gesicht

Unbekannte Meister 4 - Eine Einführung in das Werk von Klara Khalil

Von Jakob Nolte

Für die verstorbene Kunstfigur Klara Khalil war Werbung ein elementarer Bestandteil jeder menschlichen Kommunikation. Ihr vergessener Nachlass besteht hauptsächlich aus Radiowerbespots, die niemand je gehört hat. 

Das Hörspiel steht hier nach der Sendung bis zum 26. Januar 2019 zum Nachhören zur Verfügung.

Werbung ist nur Werbung, und sonst nichts? Eine Radiosendung kann zum einen eine unterhaltende oder auch informative Sendung sein, aber auf der anderen Seite auch Werbung für den Sender und alle Beteiligten. Dasselbe gilt für Jobs, Freizeit, selbst Altruismus. Es gibt nichts, was nicht auch Werbung wäre. Außer Werbung. Denn Werbung ist nur Werbung.

Zumindest die Werbung, an der die Außenseiterkünstlerin Klara Khalil interessiert war und die sie völlig neu gedacht hat. Für sie war eines klar: Werbung, als ein elementarer Bestandteil der menschlichen Kommunikation, dient lediglich dazu, Aufmerksamkeit zu erregen. Dennoch fühlte sich diese außergewöhnliche Künstlerin beschützt vom Werberaum. Denn es ist sinnstiftend, wenn jemand möchte, dass man seine oder ihre Produkte kauft - und ohne einen Sinn wäre man immerhin verloren, so Khalil.

Sie habe den herkömmlichen Begriff von 'Reklame' revolutioniert, sagen ihre Befürworter; andere halten ihre Werke für weltfremd, elitär und nicht in einem Kontext außerhalb von Galerien und Museen denkbar. Einige wenige behaupten sogar, dass nur ihr spektakulärer Tod den treuen Kreis an Faszinierten erklären kann, der sich um sie gebildet hat.

Alles, was sie ihrer Nachwelt hinterließ, waren neun Mappen mit je fünf DinA2-großen Plakaten und zwei 500 GB-Festplatten ihrer nach Datum sortierten Arbeiten. Der Großteil des Materials sind Radiowerbungen. Wobei auch ein paar Videos zu finden sind. Bis zu ihrem Tod mit 52 Jahren sind so Tausende von Clips, Einspielern, Kampagnen und Radio-Features entstanden, die, so schätzt man, von niemandem je gesehen oder gehört wurden. Ein Verwirrspiel zwischen Fiktion und Wirklichkeit.

Mit Katja Bürkle, Nicolai Despot, Ercan Karacayli, Mira Mann, Helga Fellerer und Mehmet Sözer

Porträtfoto Jakob Nolte.

Von Jakob Nolte
Komposition: Moritz Löwe
Regie: der Autor
Redaktion: Hannah Georgi
Produktion: BR 2018

Ausstrahlung: 19. Januar 2019 in WDR 3, 20. Januar 2019 in WDR 5

Stand: 18.12.2018, 10:14