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Minotaurus

Griechische Vasenmalerei, attisch, schwarzfigurig, um 515 v. Chr. Minotauros mit "“Kalos"–-Inschrift.

MYTHENBILDUNG

Minotaurus

Von Iris Rohmann

Kann man die Geschichte des Minotaurus auch aus der emotionalen Sicht erzählen? Was macht es mit einem Wesen, von der Zivilisation weggesperrt zu werden?

Aus urheberrechtlichen Gründen kann das Hörspiel leider nicht zum Download angeboten werden. Sie können die Sendung aufzeichnen. Auf unserer Seite "Der WDR RadioRecorder" finden Sie dazu einige Tipps.

Der Minotaurus. In der griechischen Sage ein Ungeheuer in Gestalt eines Menschen, aber mit Stierkopf. Weil er der Sohn der Pasiphae und eines Stieres ist. Er wird in ein Labyrinth gesperrt und von Theseus getötet. Hinter der mythologischen Kurzzusammenfassung verbirgt sich die Leidensgeschichte eines Wesens, das schockartig erkennen muss, dass es anders ist, als die Menschen in seiner Umgebung und deshalb schon per Definition verabscheuungswürdig und furchteinflößend. In der dunklen Einsamkeit seines Labyrinths wird es zu dem Ungeheuer, zu dem die anderen es gemacht haben. So ist vielleicht der Einzige, der Mitleid mit dem Ausgestoßenen hat, sein Mörder.

Besetzung
FrauBarbara Nüsse                 
MannJanis Arabatzis


Von Iris Rohmann
Technische Realisation: Heike Weyh und Johanna Fegert
Bearbeitung und Regie: Corinne Frottier
Redaktion: Isabel Platthaus
Produktion: SWF 1996

Ausstrahlung: 20. März 2019

WDR 3-Hörspielreihe "Mythenbildung"

Wir wollen die Welt verstehen. Wir wollen sie ordnen und beschreiben. Wo ist oben, wo ist unten, was ist das Ei und wer die Henne? Und wer fügt eins zum anderen? Seit Menschen sich Gedanken machen, formen sie Mythen, um das schwer Fassbare erzählerisch greifbar zu machen. Götter und Geister, Startrooper und Orks, Hendrix und Steve Jobs: Der Mythos ist in allen Kulturen die Wurzel literarischer Gattungen und Stoffe. Die tradierten Sagen von Helden und Antihelden, die Naturbeschreibungen und moralischen Lehrstücke oder der wiederkehrende Dualismus zwischen Gut und Böse erzählen uns von Epochen menschlichen Selbstverständnisses. Und sie werden von Regimen und Systemen eingesetzt und instrumentalisiert.

Die WDR3-Hörspielreihe "Mythenbildung" zeigt vom 18.- 21. März Mythen als literarische Erzähltradition - mit Anleihen aus der griechischen Antike ("Minotaurus" von Iris Rohmann), der christlichen Heiligenlegende ("Die Augen der heiligen Clara" von Karlheinz Koinegg), und dem römischen Bürgerkrieg mit Alba ("Roman Dogs" von Heiner Goebbels) - oder der Literatur, die selbst zum Mythos wird ("Hamletmaschine" von Heiner Müller).

Stand: 04.02.2019, 17:22