16.04 - 17.45 Uhr WDR 3 Beethoven bei uns

Kulturschaffende fordern Gleichberechtigung

Schriftzug "Karlsruhe Postulate" mit Graphik Frau mit Lautsprecher

Workshop bei den ARD Hörspieltagen:

Kulturschaffende fordern Gleichberechtigung

"In unserem Redaktionsteam arbeiten fast nur Frauen, aber das Programm, das wir zusammenstellen, kommt zu 80 Prozent von Männern. Wie kann uns das passieren?" – fragt eine Teilnehmerin an der offenen Diskussion über Geschlechterrollen im Kulturbetrieb.

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Frauen in einer Diskussionsrunde

Die Referentinnen vlnr.: Ania Mauruschat, Lamya Kaddor, Hilde Weeg, Luise F. Pusch, Stefanie Lohaus, Sabine Hark, Ute Soldierer

"Ganz einfach", sagt eine Soziologin, die mit diesem Phänomen schon viel Erfahrung hat: "Dramaturgie und Redaktion, das sind kuratierende, leidensfähige Positionen. Autoren, Regisseure, Künstler – die gelten als Genies und dürfen egoistisch sein, drängen und zur Not auch laut werden." Und das wird – immer noch – Männern mehr zugestanden. Zwischen ernüchterndem Befund und entschiedenem Willen zur Veränderung entspann sich der Tag, den die Hörspielredaktion des WDR im Rahmen der ARD Hörspieltage organisiert hatte. Das jährliche Hörspielfestival der ARD, das immer im November im ZKM (Zentrum für Kunst und Medien) in Karlsruhe Hörspielmachende und –Interessierte aus dem deutschsprachigen Raum versammelt, bietet traditionell außer vielen, vielen Hörspielen auch immer aktuelle Diskussionen im Rahmenprogramm. Dieses Jahr ging es um Gleichberechtigung und die Frage: "Wie weiblich ist der Kulturbetrieb?"

Frauen in einer Diskussionsrunde

Moderatorin Ute Soldierer

An die hundert Kulturschaffende, Dramaturginnen und Dramaturgen, Redakteurinnen und Redakteure, Künstlerinnen und Künstler, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler waren versammelt. Sie tauschten Arbeits- und Alltagserfahrungen aus, Beobachtungen von Mustern und Stereotypen, Ratlosigkeiten über den ewigen Stau auf dem Weg zur Geschlechterparität. Das Bild, so zeigte sich schnell, gleicht sich: in den Medien, an Theatern und Opern, im Filmgeschäft, in der Literaturszene. Jobs, Aufträge und Gehälter sind nicht gleich verteilt, und das, obwohl Männer und Frauen theoretisch gleich viel bezahlen für den Betrieb der Kulturszene. Eine Umverteilung von Geld, die noch viel zu selten benannt wird.

Frauen in einer Diskussionsrunde

Das Publikum ist beteiligt

Die Veranstalter des Tages hatten sich vorgenommen, nicht nur zu klagen, sondern konkrete Ideen zusammen zu tragen. Vorschläge zu entwickeln, wie Gleichberechtigung in Kunst und Kultur ab sofort im Alltag gefördert und forciert werden kann. Schnell war klar: Jede und jeder, Männer und Frauen, müssen bewusster agieren, aktiver werden und sich nicht von Schwierigkeiten und Aufwand abschrecken lassen. Unter der Überschrift "Die Karlsruher Postulate" wurden die Forderungen und Selbstverpflichtungen protokolliert. Die Hörspielredaktion des WDR hat sie mitgebracht.

Jetzt wird umgesetzt. Sind Sie dabei?

Stand: 26.11.2019, 11:00

Kommentare zum Thema

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4 Kommentare

  • 4 Otto F. Menge 07.12.2019, 13:41 Uhr

    Wir haben 1960 geheiratet und schnell u.a. folgende Regelung für den Umgang mit den Finanzen gefunden. Ich bringe das Geld ins Haus und meine Frau gibt es wieder aus. Das alles auf einer Basis von großer Liebe und ebenso großem Vertrauen. Wenn ich dieses System im Freundeskreis erwähne und um Mitgefühl bat, zeigte sie auf mich und sprach: Seht euch Und wir haben ihn an und zeigt er Spuren der Vernachlässigung? Das Lachen war auf ihrer Seite. Noch einmal: wir hatten ein Fundament und das waren Liebe, Vertrauen und als lebendige Christen das Wissen um Versagen und Vergebung. Und wir haben miteinander rechtzeitig geredet.

  • 3 Ulrike Ehlers 07.12.2019, 13:26 Uhr

    Sehr schöne Idee und viel Erfolg damit. Man - äh: Frau kämpft sich da fleißig gegen Windmühlenflügen ab. Im Alltag kleine Schritte: Mein Sohn (35) (einer von Dreien) beschwert sich regelmäßig, dass ich ihn auf den Beifahrerinnensitz setze - er sei schließlich ein Mann! Meinen Mallehrer habe ich aufgegeben: Eine reine Frauengruppe, aber jeder wird angesprochen seine Stifte zu holen. Seit Jahern - er ist allerdings auch schon über 80 - da hat frau ein Nachsehen. Wenn ich Briefe schreibe grundsätzlich an Frau und Mann Müler oder Dame und Herrn Meier. Jedes Mal bekomme ich die selben Kommentare: Das sei albern. Lacht bloß keiner drüber. Falls Sie mich telefonisch nicht erreichen können - meine Anrufberaterin nimmt alles auf. Und ich liebe natürlich Luise Pusch. Ihnen allen eine gute Weihnachtszeit mit vielen kelinen und großen Erfolginnen (zwinker) - herzlichst - Ulrike Ehlers Ach ja - geben Sie nicht auf! Das "Fräulein" haben wir ja auch abschaffen können...

  • 2 Dirk Eickenhorst 06.12.2019, 21:24 Uhr

    Als männlicher Autor sehe ich es im Alltag und im Umgang mit Mitmenschen als selbstverständlich an, alle gleichzubehandeln. Ob männlich, weiblich oder anderer sexueller Identität, lesbisch, schwul oder hetero, weiß, farbig, dick, dünn, gleich welcher Herkunft oder sozialer Stellung usw. Ich gebe zu, es bei Menschen mit politischen Ansichten aus dem rechten Spektrum nicht hinzubekommen, dafür unterscheide ich dort aber auch nicht zwischen Männern, Frauen, usw. In meinen Texten gibt es genauso viele starke Frauen, schwache Männer, schwache Frauen, starke Männer, wie im Leben auch. In meinem aktuellen Romanprojekt ist der Hauptprotagonist zwar ein Mann, allerdings wäre er völlig aufgeschmissen, hätte er nicht seine hoch kompetenten Kolleginnen. Dieses ganze Thema sollte eigentlich keines sein. Da es im Moment so ist, wie es ist, muss es aber Thema sein. Ich begrüße daher die Karlsruher Postulate und wünsche allen Kulturschaffenden eine glückliche Hand bei der Umsetzung.

  • 1 Anonym 06.12.2019, 14:06 Uhr

    Wenn ihr nichts anderes zu tun habt.4