Live hören
Konzert Es-Dur für 2 Klaviere und Orchester, KV 365
00.03 - 06.00 Uhr Das ARD Nachtkonzert
NS-Verbrecher Adolf Eichmann in einer gläsernen Kabine während des Prozesses gegen ihn in Israel, 1962.

DEUTSCHER HÖRSPIELPREIS DER ARD 2021

Adolf Eichmann - Ein Hörprozess

Stand: 24.01.2022, 09:40 Uhr

Im Jahr 1961 wurde Adolf Eichmann in Jerusalem vor Gericht gestellt. Das Besondere an diesem Prozess: Alles von Zeugenaussagen bis Richterspruch wurde live im Radio übertragen und so an die Öffentlichkeit gebracht.

Von Noam Brusilovsky und Ofer Waldman

Das Hörspiel steht bis 11. Januar 2022 zum Nachhören zur Verfügung.

Das Bild ging um die Welt: Adolf Eichmann, Organisator der Deportationen zur Vernichtung der europäischen Juden während der NS-Zeit, sitzt in einer gläsernen Kabine. Über Kopfhörer hört er die Simultanübersetzung der Anklage durch das Jerusalemer Bezirksgericht im Jahr 1961. Zeuginnen und Zeugen aus allen europäischen Ländern, aus den Ghettos und aus den Todes- und Arbeitslagern berichten vom Alltag der Verfolgung und Vernichtung.

In das kollektive Gedächtnis der Israelis brannte sich ein zweites Bild ein: Die ganze Nation sitzt gebannt vor den Radioempfängern. Denn zum ersten Mal in der Aufarbeitung der NS-Verbrechen blieben die Aussagen aus dem Zeugenstuhl nicht innerhalb des Gerichtssaals, sondern wurden, wie auch die Aussagen Eichmanns, die Stimmen der Anklage, der Verteidigung und der Richter, live in die Häuser und Wohnungen in ganz Israel übertragen, durch das Radio.

Zum ersten Mal drang damit die Realität des Holocaust in seiner ganzen Dimension, das, was bisher oft verdrängt oder beschwiegen worden war, an die Ohren der Öffentlichkeit. Eine neue, nunmehr ausgesprochene Erzählung der Shoa brach sich Bahn. Das dokumentarische Hörspiel erzählt die Geschichte dieses Prozesses - aus Sicht der Radiomacher beim damaligen öffentlich-rechtlichen israelischen Rundfunk "Kol Israel".

Mitwirkende: Walter Kreye, Dirk Müller, Veit Schubert, Shelly Kupferberg, Axel Sichrovsky, Vernesa Berbo, Ramona Olasz, Aviran Edri, Orit Nahmias, Benny Claessens, Rainer Sellien, Jaron Löwenberg, Yeva Lapsker, Guy Aviad, Tamar Aviad, Helene Lilien Voigt


Von Noam Brusilovsky und Ofer Waldman
Technische Realisation: Kaspar Wollheim und Katrin Witt
Regie: Noam Brusilovsky
Dramaturgie: Juliane Schmidt
Produktion: RBB/DLF 2021/ca. 55'

Ausstrahlung: 11. Dezember 2021 in WDR 3, 12. Dezember 2021 in WDR 5