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Das war das WDR 3 Jazzfest 2019

Das war das WDR 3 Jazzfest 2019

In unserer Fotostrecke finden Sie spannende Eindrücke von den Acts im Stadttheater Gütersloh und dem Bunker Ulmenwall in Bielefeld.

Die Bassistin Hendrika Entzian dirigiert ein Jazzorchester aus Kölner Musikern beim WDR 3 Jazzfest am 31.01.2019 im Theater Gütersloh

Die Kontrabassistin Hendrika Entzian eröffnete das WDR 3 Jazzfest am Donnerstagabend (31.01.2019) mit einem eigenen Orchester aus Kölner Musikern. Mit dem Ensemble übersetzt sie den dynamisch ausdifferenzierten Modern Jazz ihres Quartetts auf eine große Besetzung.

Die Kontrabassistin Hendrika Entzian eröffnete das WDR 3 Jazzfest am Donnerstagabend (31.01.2019) mit einem eigenen Orchester aus Kölner Musikern. Mit dem Ensemble übersetzt sie den dynamisch ausdifferenzierten Modern Jazz ihres Quartetts auf eine große Besetzung.

2018 wurde die Kölnerin Hendrika Entzian mit dem WDR Jazzpreis in der Sparte "Komposition" ausgezeichnet. Da arbeitete sie noch mit der WDR Big Band, diesmal mit einem ganz eigenen Ensemble.

Der in Detmold geborene Pianist Florian Weber erzeugt mit seinem Trio einen Flow aus improvisierter Musik. Damit gewann er 2014 den WDR Jazzpreis.

Unterstützt wurde das Florian Weber Trio von der Saxofonistin Anna-Lena Schnabel.

Neben dem Theater in Gütersloh war auch dieses Jahr der Bunker Ulmenwall in Bielefeld ein absolutes Spielstätten-Highlight. Dort erhielten die Brüder Julian & Roman Wasserfuhr Verstärkung durch den aus Kempen stammenden Cellisten Jörg Brinkmann.

Entstanden ist ein Modern Jazz, der den melodischen Duktus der Wasserfuhr-Brüder mit der Fröhlichkeit irischer Folklore verbindet und durch das Cello einen eigentümlich eingefärbten Sound erhält.

Cæcilie Norby schuf mit ihrem Sextett "Sisters in Jazz", das ausschließlich mit Musikerinnen unterschiedlichen Alters aus ganz Europa besetzt ist, einen explizit weiblichen Zugang zum Jazz.

Am Donnerstagabend trat die Dänin im Theater Gütersloh auf. Aus gutem Grund: Das WDR 3 Jazzfest 2019 legte den Fokus auf Frauen in der vermeintlichen Männerdomäne der Jazzmusik.

Als letzter Act spielte am Donnerstagabend das Quintett der 1982 in Friesland im Norden der Niederlande geborenen Saxofonistin Marike van Dijk.

Mit ihrem Ensemble erweitert sie den Modern Jazz aus New York um feinsinnige Harmonik und austarierten Melodik europäischer Prägung.

Die drei Musiker vom Pollon Trio sind Paradebeispiele für das, was die umtriebige Kölner Jazzszene momentan auszeichnet. Ziel von Theresia Philipp (Saxofon), David Helm (Bass) und Thomas Sauerborn (Drums) ist es, den Fluss der improvisatorischen Ideen ungehindert strömen zu lassen: emotional, mitreißend und expressiv.

Höhepunkt der Veranstaltung war die Verleihung des WDR Jazzpreises durch den WDR 3 - Programmchef Karl Karst.

Der Komponist Heiner Schmitz erhielt den WDR Jazzpreis für eine zeitgemäße Orchester-Jazzmusik, deren lineare Durchführung oft zu überraschenden Klangereignissen führt.

Der Schlagzeuger Jens Düppe erhielt den Preis in der Kategorie "Improvisation". Die Jury begründete es mit seiner Eigenschaft, "die Time regelrecht an die akustische Wand zu nageln".

Das Quartett Kavpersaz nutzt das traditionelle Instrumentarium Anatoliens. Die vier türkischen Musiker, die alle in Nordrhein-Westfalen zu Hause sind, erhielten den WDR Jazzpreis in der Kategorie "Musikkulturen".

Den WDR Jazzpreis für Nachwuchsförderung erhielt das Ganztagsgymnasium Marienschule in Euskirchen. Vier Bigbands gibt es an der Schule, die alle Altersgruppen vom Quartaner bis zum Abiturienten umfassen und jedwedes spieltechnische Niveau berücksichtigen.

Den Samstag eröffnete Chanda Rule mit ihrem Quintett. Mit ihrer rauen, modulationsstarken Altstimme meistert die Sängerin jede ihr gestellte Aufgabe mit Bravour. 

An Chanda Rules Seite ist Kirk Lightsey, der mit seiner raffiniert gesetzten Harmonik Jazzsängerinnen den Raum gibt, in dem ihre Vokalkunst erst so richtig erstrahlen kann.

Als vor einigen Jahren das Debüt "Living Being" des gleichnamigen Quintetts um den Akkordeonisten Vincent Peirani erschienen ist, war man überrascht, wie stilistisch vielseitig das Tasteninstrument des Franzosen einsetzbar ist.

Mittlerweile ist er noch einen Schritt weiter gegangen und setzt nun ganz auf ein gleichberechtigtes und gleichzeitiges Agieren der Musiker. Das findet seine Entsprechung im musikalischen Ergebnis, das sich multistilistisch gibt und selbst vor Musette und Chanson nicht Halt macht.

Mit der Besetzung Gitarre, Bass, Schlagzeug verbindet man im Jazz gemeinhin eher ein druck- und kraftvoll auftrumpfendes Power-Trio. Hanno Busch sucht seinen Weg aber woanders. Mit dem Kölner E-Bassisten Claus Fischer verbindet den Wuppertaler Gitarristen seit 2004 eine enge Freundschaft. Sie bilden das stabile wie flexible Fundament des Trios.

Der Kölner Schlagzeuger Jonas Burgwinkel setzt wiederum alles daran, rhythmisch variantenreich an dieser Basis zu rütteln: ein Vexierspiel aus sicherem Rückhalt und wagemutigen Aufbruch.

Das britisch-skandinavische Trio Phronesis ist ein Paradebeispiel für den stilistischen Variationsreichtum der jüngeren Jazzszene Europas. Die drei Musiker kennen keine Grenzen zwischen den Gattungen und Genres, auch haben sie keine Scheu, den harmonischen, melodischen und rhythmischen Raum bis an seine Grenzen auszuweiten. 

"The Behemoth", benannt nach dem biblischen Fabelwesen, heißt das Programm, das Phronesis in Gütersloh mit der hr-Bigband aufgeführt hat. Das ursprünglich Filigrane wie Druckvolle der Improvisationsmusik dieses Trios erhält durch das Radio-Jazzorchester eine raumgreifende Klangfülle.

Randy Brecker ist ein Tausendsassa. Zusammen mit seinem Saxofon spielenden Bruder Michael preschte er als Brecker Brothers trittsicher über den schmalen Grat zwischen Jazz, Rock, Funk und Soul; nicht von ungefähr hieß eines der Hitalben "Heavy Metal Be-Bop". 

Zusammen mit der rheinischen Allstar-Band The Cologne Funkateers konnte Brecker in Gütersloh einmal mehr zeigen, dass Jazz auch heute noch ein ungeheures – und weitgehend ungenutztes – Potenzial zur Tanzmusik hat. Mit dabei: Breckers Ehefrau Ada Rovatti am Tenorsaxofon.

Stand: 04.02.2019, 11:21 Uhr