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20.01.2019 – Verdi "Rigoletto" in Wiesbaden

Ioan Hotea als Herzog von Mantua in Verdis "Rigoletto" am Hessischen Staatstheater Wiesbaden

20.01.2019 – Verdi "Rigoletto" in Wiesbaden

"Questa o quella" schmettert Ioan Hotea als Herzog von Manuta gleich zu Beginn und gibt den schmierigen Typen. Später in seinem Ständchen für Gilda "E il sol dell’anima" schluchzt und seufzt er noch dazu - in einer statuarischen Selbstgefälligkeit. Und im dritten Akt vergewissert er sich in "La donna è mobile" noch einmal seines schändlichen Charakters. Ioan Hotea erlebt man bei der neuen Wiesbadener Inszenierung von Verdis "Rigoletto" so sehr als abgefeimten Testosteron-Tenor, dass er einem schon wieder Leid tun kann.

Der Regisseur Uwe Eric Laufenberg hat keine Sympathie und Gnade für ihn, keinen Funken Nachdenklichkeit oder Zwiespältigkeit erlaubt er ihm. Nichts anderes aber sagen Libretto und Musik über den Herzog. Gisbert Jäkel hat ihm ein klassizistisches Schloss gebaut, dass sich bei genauerem Hinsehen aber als Pappmaché-Tempel sexueller Ikonographien entpuppt. Seine Heiligenbilder stammen von Helmut Newton, aus Stanley Kubricks "Clockwork Orange" und barocken Pornographiemalern. Seine größte Lust gewinnt der Herzog aber beim Schmuddelsex in einem Wohnwagen, der Behausung des Mörders Sparafucile. Man hat diesen Wohnwagen in sein Anwesen gekarrt. Von drinnen erleuchtet singt er verzückt das zweite Mal "La donna è mobile" und wird im Wagen nach draußen in ein sexuelles Nirwana gezogen.

Auch die anderen Charaktere hat Laufenberg sehr eindeutig gezeichnet. In „Gualtier Maldè“ singt Cristina Pasaroiu Rigolettos Tochter Gilda als ganz unschuldiges, unerfahrenes Wesen, das sich zum ersten Mal in ihrem Leben hat berühren lassen. Gisbert Jäkel hat sie an ein bodentiefes Fenster in mildes Licht (Andreas Frank) im 2. Stock von Rigolettos Haus gestellt, abgehoben wie ein Engel, als den ihr Vater sie ja auch bezeichnet. Das "Caro nome" ist stockend, staunend und sehnsüchtig.

Aber dieses pochende Piano und diese Herzschlag-Unruhe kommt eigentlich vom Orchester. Und auch sonst gelingt es Will Humburg, Verdis Partitur dramatisches Leben zu geben. "Rigoletto" ist hier keine Humtata-Musik und keine Tenorschlager-Musik. Was sonst ein plätscherndes Nachspiel belangloser Akkordfolgen ist, wandelt sich bei Humburg zu energischem Drang, und die Eingängigkeit der Melodien wirken bei ihm doppelbödig gespannt, von zielgerichteter böser Energie.

Während der Herzog und Gilda in dieser Inszenierung bloße Figuren sind, erlebt man die Titelfigur als eine Person von mehreren Facetten. Laufenberg stellte ihn, auch das ist folgerichtig inszeniert, immer wenn er auftaucht, in den Mittelpunkt. Denn wäre Rigoletto bloß Narr, bloß Dummkopf oder bloß blinder Rächer seiner Tochter, würde das Drama nicht in Gang kommen. Alles auf einmal verkörpert Vladislav Sulimsky und mit ihm wieder Will Humburg im Orchester am Ende des zweiten Aktes bei "Cortigiani, vil razza dannata" – "Hof schrenazen, verdammtes feiges Geschlecht. Da steht ein kräftiger, schwarz gekleideter Mann und fegt die zappelnden Hofschranzen weg, wenig später bei "Piangi, fanciulla" zerfließt er förmlich.

Und dennoch, so wie der Herzog nichts kennt außer seiner Lust – "Auch Herrscher sind Slaven Amors", kräht er im 2. Akt, kennt Rigoletto nichts als seine Tochter: "Il mio universo è in te". Solche Fixierungen zu zeigen, war wohl das eigentliche Ziel von Laufenberg, Jäkel und Humburg.

Premiere: 19.01.2019, noch bis zum 28.06.2019

Besetzung:
Der Herzog von Mantua: Ioan Hotea
Rigoletto: Vladislav Sulimsky
Gilda: Cristina Pasaroiu
Sparafucile: Young Doo Park
Maddalena: Silvia Hauer
Graf von Monterone: Thomas de Vries
Marullo: Daniel Carison
Borsa: Erik Biegel
Graf von Ceprano: Frederic Mörth
Gräfin Ceprano: Isolde Ehinger
Giovanna: Elisabeth Bert
Gerichtsdiener: Aldomir Mollov
Page des Herzogs: Izumi Shibata

Chor des Hessischen Staatstheaters Wiesbaden
Hessisches Staatsorchester Wiesbaden

Musikalische Leitung: Will Humburg
Inszenierung: Uwe Eric Laufenberg
Bühne: Gisbert Jäkel
Kostüme: Andrea Schmidt-Futterer
Licht: Andreas Frank
Chor: Albert Horne
Dramaturgie: Katja Leclerc

Stand: 20.01.2019, 13:50