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13.10.2019 – Offenbach – „Barkouf“ in Köln

Offenbach, "Barkouf" an der Oper Köln

13.10.2019 – Offenbach – „Barkouf“ in Köln

Aus dem ebenerdigen Orchestergraben im Kölner Staatenhaus klingt die Musik von Jacques Offenbach stumpf, schal und strohig. Da mochte sich Stefan Soltesz noch so abmühen, den richtigen Drive, die richtige Klangbalance, die richtige Pointierung zu vermitteln, es half nichts. Besser wird es sicher in der Radioübertragung auf WDR 3 am 27.10.2019

Weiter oben auf der niedrigen Bühne bemühen sich acht Solisten mit schönen Stimmen die Geschichte von Barkouf, dem Hund als Gouverneur, lebendig werden zu lassen. Aber sie klingen in Reihe 13 wie von ferne. Dabei windet sich Matthias Klink mit großer Kunstfertigkeit nicht nur stimmlich in akzentfreiem Tenorfranzösisch durch die Partie des widerlichen Großwesirs Bababeck und kann ihm sogar noch einen Rest an Sympathie verleihen. Oder die beiden Liebhaber Saëb und Xaϊloum. Auch sie Tenöre, die beiden schwarzen Sänger Patrick Kabongos und Sunnyboy Dladla klingen zum Verwechseln ähnlich, nämlich mit einem schönen, hellen weichen Timbre und der Fähigkeit zur Phrasierung. Schließlich die beiden Liebhaberinnen: Susanne Elmark mit ihrem nicht mehr ganz jugendlichen, manchmal flackernden Koloratursopran als listige Hundedolmetscherin Maϊma und Judith Thielsen als Orangenverkäuferin Balkis, mehr beobachtend und kommentierend. Es geht um die Farce, wie ein Hund als Regent Wohltaten austeilt, so dass am Schluss alle singen: „Barkouf: der beste Herrscher aller Zeiten“.

Das war die deutsche Erstaufführung des 1860 in Paris uraufgeführten Werks, das schon damals mehr oder weniger durchfiel, aber wohl mehr, weil es durch die Eingriffe der Zensur verharmlost wurde und das Publikum in der ehrwürdigen Opéra comique in musikalischer Hinsicht ratlos machte: war es nun als echte Oper gemeint oder als buffoneskes Stück? Beides natürlich, aber von diesem Doppelcharakter war in Köln nichts mehr zu spüren, auch weil die Inszenierung von Mariame Clément an Harmlosigkeit kaum zu überbieten ist, mit der sozialistischen Versammlungsästhetik im ersten Akt und der überdimensionalen Aktenregistratur in Stasi-Manier, in die eine Hundehütte platziert wurde, im zweiten und dritten Akt.

Schade, dass diese mit dem Straßburger Opernhaus zustande gekommene Produktion (WDR 3 Opernblog 14.12.2018) zum allmählichen Ausklang des Kölner Offenbach-Jahres – wie schon die an gleicher Stelle über die Bühne gegangene „Großherzogin von Gerolstein“ (Opernblog 10.06.2019) - hauptsächlich von den Schwierigkeiten, Offenbach heute fürs Theater zurückzugewinnen, erzählte. Das Publikum im Staatenhaus war aber vergnügungswillig und spendete herzlichen Applaus.

Premiere: 12.10.2019, noch bis zum 03.11.2019

WDR 3 Oper, 27.10.2019, 20.04 Uhr

Besetzung:
Bababeck: Matthias Klink
Der Großmogul: Bjarni Thor Kristinsson
Saëb, Offizier: Patrick Kabongo
Kaliboul, Eunuch: Martin Koch
Xaïloum, Geliebter der Balkis: Sunnyboy Dladla
Maïma, junges Blumenmädchen: Susanne Elmark
Balkis, Orangenhändlerin: Judith Thielsen
Périzade, Tochter von Bababeck: Kathrin Zukowski

Chor der Oper Köln
Gürzenich-Orchester Köln

Musikalische Leitung: Stefan Soltesz
Inszenierung Mariame Clément
Bühne & Kostüme Julia Hansen:
Licht Nicol Hungsberg:
Choreografie: Mathieu Guilhaumon
Chorleitung: Rustam Samedov
Dramaturgie: Georg Kehren, Jean-Luc Vincent

Stand: 13.10.2019, 12:25