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Das ARD Nachtkonzert

"Musik der Zeit": Großes Fest in zehn Konzerträumen

"Musik der Zeit": Großes Fest in zehn Konzerträumen

Von Susanne Rump (Text) und Claus Langer (Fotos)

Die WDR-Reihe "Musik der Zeit" feiert ihr 70-jähriges Bestehen mit Zeitreisen und Uraufführungen jenseits der Konzertroutine. Am Wochenende wurden das WDR Funkhaus und auch ungewöhnliche, eher unbekannte Orte der Kölner Innenstadt zum Spielort.

Vor dem Festkonzert gab es gleich zwei Installationen, die das Funkhaus zu einem Klangraum machten. Brigitta Muntendorf verwandelte das Studio 3 mit ihrer Installation "Theater des Nachhalls" in einem Raum, in dem sich Szene, Konzert, Hörspiel und Video begegneten.

Die zweite Installation kam von Manos Tsangaris. Er erinnerte in seiner szenischen Installation an Heinrich Bölls Kurzgeschichte "Dr. Murkes gesammeltes Schweigen". Sie handelt von einem Redakteur, der jeden Morgen in den Pater Noster steigt, bevor er im Studio Pausen schneidet und sammelt.

In "Pater Noster" bespielt das Ensemble "Diskreten Akteure" eines der Herzstücke des WDR Funkhauses und wurde dabei vom Publikum erst mit Spannung beobachtet und dann begeistert beklatscht.

Michael Struck-Schloen moderierte im Klaus-von-Bismarck-Saal des WDR Funkhauses das Festkonzert mit dem WDR Sinfonieorchester, ...

... bei dem es unter der engagierten und ausdrucksstarken Leitung von Enno Poppe neben bekannten Werken von Urgesteinen wie Pierre Boulez und Iannis Xenakis auch zwei Uraufführungen von Klaus Ospald und Justé Janulyté gab.

Anschließend startete vor dem Funkhaus ein Rundgang durch die Kölner Innenstadt. Das Publikum besuchte in kleinen Gruppen sechs verschiedene Spielstätten.

Im Theater Senftöpfchen wurde es sportlich: In Mauricio Kagels "Match" betrieben die Cellistinnen Karolina Öhmann und Lisa Hofer ein sportliches Spiel - Schiedsrichter war Schlagzeuger Dino Georgeton.

Musik und Tanz gab es in der Konzertkasse der Kölner Philharmonie: Florence Millet und Oren Shevlin spielten "Music for Two" von John Cage. Dazu tanzte Luca Lopes Pereira eine Choreographie zu Pierre Droulers "Zoo, walking with Rider", ein Projekt des "Tanztheaters Wuppertal Pina Bausch".

In der Artothek überraschte die Schlagzeugerin Vanessa Porter mit einer Solo-Performance - ganz ohne Instrumente gab sie das Body-Percussion-Stück "?Corporel" von Vinko Globokar.

Ein eher unbekannter Kölner Ort ist das Baptisterium unweit des Kölner Doms. Dort befindet sich das älteste bekannte Taufbecken des Christentums in Köln. Dieser Raum überrascht mit einer Lichtinstallation, die jeden Abend läuft. Hier hat das Kölner Schlagquartett, verteilt auf die vier Ecken, zarte Musik für Schlagzeug gespielt: Matthias Kauls "Stuff from above".

Von oben kam die Musik im Kölner Domforum: Die Schola Heidelberg ließ mit Giacinto Scelsis "Tre canti sacri" von der Empore aus Vokaltöne auf das Publikum hinabregnen.

Gleicht acht Geigen hat Carola Bauckholt in der Galerie Karsten Greve zum Klingen gebracht: Die Violinistin Karin Hellqvist spielte die Solopartie auf ihrem Instrument, während um sie herum sieben Geigen hingen, aus denen Vogelstimmen tönten.

Den Schlusspunkt bildete das Ensemble Phønix16 mit der Nachtmusik in der Kölner Philharmonie. Mit Moderator Michael Struck-Schloen schloss sich der Kreis des Festabends - er hatte nicht nur das erste, sondern auch das letzte Wort.

Stand: 03.10.2021, 18:00 Uhr