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Preview Jazz - 14.03.2019

Teaserbild Preview Jazz - 14.03.2019

Preview Jazz - 14.03.2019

Eine Preview zu neuen Alben aus dem Bereich Jazz. CDs von Oz Noy, Nguyên Lê und Julian Lage.

Nguyên Lê - Streams (Cover)

Nguyên Lê Quartet - Streams
Nguyên Lê geboren 1959 in Paris als Kind vietnamesischer Eltern, ist ein großer Gitarren-Stilist. Man kann ihn an seiner Phrasierung erkennen. Aber, Nguyên Lê ist manchmal auch ein Chamäleon - er kann sich Stilmittel anderer Gitarristen aneigenen. Zu Teilen kann man im Eröffnungsstück dieses Albums („Hippocampus“) den Eindruck haben: er bedient sich bei Allan Holdsworth, dem 2017 verstorbenen britischen Gitarren-Original. Es gibt einen zweiten Grund für diesen Eindruck: Holdsworth hat in den 70ern bei einer längst vergessenen französischen Jazzrock-Gruppe gastiert, bei Gong, und die mochte - wie hier - ostinato-Formen in ungeraden Taktarten. Und, sie hatte auch einen Vibraphonisten: wie hier Illya Amar. Der Schlagzeuger im Quartett von Nguyên Lê kommt aus New York: John Hadfield. Der Bassist aus Kanada, lebt aber in Paris: Chris Jennings. Er ist übrigens auch der Bassist von Joachim Kühn. Ein zweiter Titel aus dem Album „Streams“ ist von der Linienführung her vollständig und typisch: Nguyên Lê. Der Titel „Bamiyan“ bezieht sich auf die gleichnamige Provinz in Afghanistan, wo 2001 die Taliban die berühmten Buddha Statuen zerstört haben.

Julian Lage - Love Hurts (Cover)

Julian Lage - Love Hurts
Ein harter Schnitt von Nguyên Lê auf Julian Lage aus San Francisco. Nur, das Stück, das stammt nicht von ihm, das konnte einem durchaus bekannt vorkommen. Es ist über 40 Jahre alt, stammt aus einer völlig anderen Jazzecke, aber aus einem berühmten Jazz-Album. Es stammt aus „Belonging“, das war 1976 DAS Album von Keith Jarrett´s europäischem Quartett, u.a. mit Jan Garbarek. Ja, tatsächlich ein Stück von Keith Jarrett, „The Windup“, aber sehr rockig gespielt, wie auch ein weiteres Stück von Jarrett, allerdings von seinem amerikanischen Quartett. Ja, Julian Lage bietet auf seinem neuen Album „Love Hurts“ Standards, aber auch ein paar interessante covers. Und diesen Begriff benutze ich bewußt, den LAGE greift Stücke auf, die für den Jazz als „Standards“ noch gar nicht entdeckt sind, die wir einstweilen noch als „Schnulzen“ bezeichnen mögen. Das Titelstück z.B. - „Love Hurts“ - ist so eine, und es ist nicht das einzige Stück von Roy Orbison, das Lage hier interpretiert. Mir ist aber an dieser Stelle nicht danach, sondern nach einem anderen Rhythmus, nach einem leicht-füßigen swing. „Tomorrow is the question“, Julian Lage spielt Ornette Coleman, ein Stück aus LAGE´S jüngstem Album „Love Hurts“. Mit Dave King, ansonsten Schlagzeuger bei The Bad Plus und Jorge Roeder, einem wenig bekannten Bassisten.

Oz Noy - Booga Looga Lo (Cover)

Oz Noy - Booga Looga Loo
Julian Lage kommt aus San Franscisco, lebt in New York; und dort arbeitet seit 1996 auch der folgende Gitarrist, ein gewissermaßen „ganz früher“ aus der wachsenden Gemeinde israelischer Jazzmusiker in New York City. ist handwerklich so versiert, er könnte - wie man so schön sagt - „Das Blaue vom Himmel spielen“ -, gleichwohl ist ihm in über 20 Jahren New York City der große Wurf noch nicht gelungen. Das gilt auch für sein jüngstes Album „Booga Looga Loo“. Es gibt darin z.B. missratene Beatles und Beach Boys-covers. Und, Oz Noy - und damit kehre ich an den Beginn dieses, meines letzten preview für WDR 3 zurück - Oz Noy ist ein noch größeres Stil-Chamäleon als Nguyên Lê. In „A Soul Thang“, einem langsamen, sehr langsamen Blues, spielt er das Thema in der Art von Wes Montgomery, die zweite Improvisation aber - dann es verzerrt klingt - im Stile des 1981 verstorbenen weißen Blues-Gitarristen Michael Bloomfield.

Moderation: Michael Rüsenberg
Redaktion: Tinka Koch

Stand: 13.03.2019, 13:30