Live hören
Jetzt läuft: Rondo. Presto (4) / aus: Quintett für Flöte, Streichtrio und Harfe von Françaix, Jean

Preview Jazz - 14.02.2019

Teaserbild Preview Jazz - 14.02.2019

Preview Jazz - 14.02.2019

Eine Preview zu neuen Alben aus dem Bereich Jazz. CDs von Chris Potter, Aaron Goldberg und Que Vola?.

Chris Potter – Circuits

Circuits (Cover)

Als ob die ersten zwei Minuten nicht dem gelegentlichen Wunsch nach sattem, harmonischem Reichtum mehr als gerecht werden würden – in der letzten Sekunde der orchestralen Einleitung fügt Chris Potter noch einen schrägen Ton ein, der die Spannung auf das, was folgt, noch steigert. Einstieg in das, was er selbst einen "Wendepunkt" bezeichnet. Nach drei ECM-Alben hat der New Yorker Saxofonist bei Edition Records unterschrieben und auch ästhetisch eine Zäsur gesetzt. Circuits: mit Einsatz von Elektronik, Keyboards und E-Bass ein "lang gehegter Wunsch", aktuellere Ausdrucksformen miteinzubeziehen und das Ganze rhythmisch ansteckend zu verpacken. Kammermusikalische Strenge ade - oder wie Potter es formuliert: "back into grooveland". Dabei begleiten ihn der durch Joe Zawinul bekannt gewordene Bassist Linley Marthe, Keyboarder James Francies und der brillante Schlagzeuger Eric Harland. Fusion der mal mehr, mal weniger brodelnden Art, mit einigen solistischen Glanzpunkten vor allem Chris Potters, es gibt spannende Momente, aber auch Leerlauf. Der Einstieg von Circuits ist fast ein wenig zu vielversprechend…

Aaron Goldberg – At the Edge of the World

At the Edge of the World (Cover)

Der Bostoner Pianist Aaron Goldberg, seit langem in New York, wurde einst von Betty Carter entdeckt und ist seit einer gefühlten Ewigkeit Mitglied des Quartetts des Saxofonisten Joshua Redman. Zwei Dekaden existierte sein eigenes Trio mit Reuben Rogers und Eric Harland. Auf Goldbergs CD At the Edge of the World präsentiert er sich mit neuem Rhythmus-Gespann, mit Matt Penman und Leon Parker, letzterer nach jahrelanger Abstinenz in der Szene wiederaufgetaucht. Parker hatte in den 90ern als Schlagzeuger des Jacky Terrasson Trios für Furore gesorgt, indes, nicht durch virtuoses Powerplay: Er spielte häufig so sparsam und reduziert wie kaum ein anderer. Das pflegt er in Teilen auch auf Goldbergs At the Edge of the World. Seine Rückkehr ans Drumset macht die CD umso erfreulicher. Ein entspanntes, unaufgeregt swingendes Album, durch und durch traditionell, auf eine fast schon unspektakuläre Weise spektakulär, mit einer feinsinnigen Rhythmusgruppe und einem Aaron Goldberg, der bei allem Understatement es hin und wieder richtig perlen lässt.

Que Vola? – Que Vola?

Que Vola? (Cover)

Mancher Bandname mag eine Frage aufwerfen, die nach der Bedeutung. Dass ein Bandname selbst aus einer Frage besteht, kommt nicht alle Tage vor. Wie geht’s? Was geht ab? Auf Spanisch: Que Vola? So nennt sich ein franko-kubanisches Band-Projekt, dessen CD-Debüt den Namen der Band trägt, Que Vola? Ein französisches Jazz-Septett auf der einen, drei kubanische Perkussionisten auf der anderen Seite. Leiter dieser bi-nationalen und bi-kulturellen Formation ist ein Franzose, Mitglied des aktuellen Orchestre National de Jazz, hierzulande konnte man ihn u.a. erleben als Gast der Gruppe Papanosh - sein Nachname: Fourneyron, Vorname: Fidel. Nomen est omen: 2012 reiste er nach Kuba, betrieb eine regelrechte Feldforschung und befasste sich intensiv mit rituellen Musiken der Yoruba. Das Ergebnis: eine rhythmisch vertrackte Melange aus Jazz, Fusion, karibischen und westafrikanischen Ausdrucksformen – wie ein imaginäres Aufeinandertreffen der Jazz Messengers mit Irakere, der Brotherhood of Breath und Osibisa. Que Vola? Was geht ab? Nun, so Einiges…

Redaktion: Tinka Koch
Moderation: Karsten Mützelfeldt

Stand: 11.02.2019, 09:43