Live hören
Jetzt läuft: Molto allegro / Sonate Es-Dur, op. 167: Molto allegro von Saint-Saëns, Camille

Freitag ab 23:00 Uhr: Brigitta Muntendorf - "Theater des Nachhalls"

Freitag ab 23:00 Uhr: Brigitta Muntendorf - "Theater des Nachhalls"

Aktualisieren

Theater des Nachhalls (2020) 
audiovisuelle Komposition
Kompositionsauftrag des WDR und der Stadt Witten, mit Unterstützung der Kunststiftung NRW

I Key of Presence
II KreisIncrease
III Key of Absence

Video: Brigitta Muntendorf, Mitarbeit: WARPED TYPE (Andreas Huck und Roland Nebe)
Ton: Stephan Hahn / Brigitte Angerhausen

Die Installation ist das Portrait zweier Musiker, die seit 28 Jahren miteinander proben, reisen, auftreten – ein Portrait ihrer Körperlichkeit, Stimmen und Präsenz im Raum. Theater des Nachhalls geht aus meiner Trilogie für zwei Flügel hervor, die zwischen 2014 und 2017 für das GrauSchumacher Pianoduo entstanden ist. Diese Trilogie (Key of Presence, KreisIncrease, Key of Absence) ist für mich wie eine Drehtür zur Gegenwart, durch die immer neue Begegnungen, Vergangenes, Gegenwärtiges und Zukünftiges ein- und ausgeschleust werden. Das Unfassbare des Vergänglichen ist der Zustand, aus dem heraus ich die Stücke geschrieben habe und für den ich kein Echo in dieser Gesellschaft finde, in der das Sterben verschleiert wird. Dabei ist es das Sterben, das neue Beziehungen schafft und unsere Werte und Wertigkeiten hinterfragt. Musik, die vergänglichste aller Künste, ist ein Kontinuum des Verschwindens, ihr Abdruck ist die Resonanz, der Nachhall, ihr Abdruck ist nur in uns.

Bereits 2016 begann ich während eines langen Einrichtungtages vor einem Konzert Szenen mit GrauSchumacher zu drehen, Zeitlupen in Echtzeit. Ich wollte Momente festhalten, die nach dem Konzert wieder ver- schwinden würden und gleichzeitig innere Bilder in die Tastatur einschreiben. Zwei Jahre später drehten wir in einer Blackbox, ein halbes Jahr später das dritte Video in einem Studio. In der Installation hören wir die Trilogie für zwei Flügel, aber weder sehen wir dievielen Gesten, noch wissen wir, wie die Klänge produziert oder was live gespielt oder zugespielt wurde. Diese Lücken werden in der Installation zu weißen Flächen, in denen das Stück nicht rekonstruiert, aber selbst geschrieben werden kann, hier begegnen sich Szene, Konzert, Hörspiel und Video und bilden eine neue Dimension von Zusammenspiel. Die in der Komposition verankerten Gesten werden vergrößert, transformiert und aus ihrem Kontext gelöst, fortgesponnen und erscheinen in eigenwilligen, fremden und fiktionalen Situationen.

Statt wie im Konzert physisch anwesend, aber in der Distanz agierend, sind die Spieler in Theater des Nachhalls als Projektion aus unmittelbarer Nähe zu erfahren. Wir sehen sie in drei Videos auf drei großen Screens in Glasvitrinen agieren, aufgebahrt in einem digitalen Sarg oder ausgestellt als museale Entitäten, umgeben von einer Musik in Surround-Mischung, die sie selbst eingespielt haben und von der sie nun getrennt werden. Man befindet sich in einer Art Ausstellungssituation. Die beiden Pianisten werden ausgestellt, man bewegt sich durch die Installation oder kann sich setzen. Da man nicht weiß, zu welchem Video welche Musik gehört, entsteht eine surreale Parallelwelt – ganz ohne Klavier. Es geht nur um Kommunikation, um Formen der Verständigung, des Ausdrucks, um Gesten, die aus der Nähe beleuchtet werden.

Stand: 23.04.2020, 16:59

Kommentare zum Thema

Noch keine Kommentare