Eine ältere Frau joggt auf einem Landweg.

Wechseljahre: Hilfe gegen Hitzewallungen und Co.

Stand: 28.07.2022, 11:39 Uhr

Vielen Frauen dürften diese Symptome bekannt vorkommen: Hitzewallungen, Scheidentrockenheit, Stimmungsschwankungen, Schlafstörungen, innere Unruhe – typische Anzeichen für die Wechseljahre. Und in die kommt früher oder später jede Frau.

Von Barbara Brüwer und Louisa Schmidt

Generell hängen die Wechseljahre der Frau (Fachbegriff: Klimakterium) mit einer grundlegenden hormonellen Umstellung im weiblichen Körper zusammen. Die Eierstöcke produzieren immer weniger Geschlechtshormone, der Eisprung bleibt immer häufiger aus, bis irgendwann zum letzten Mal die Periode einsetzt. Diese letzte Monatsblutung wird Menopause genannt. Etwa 12 Monate später startet die Postmenopause. Die Frau kommt damit in einen Lebensabschnitt, in dem sie keine Kinder mehr bekommen kann. 

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Dieser Prozess dauert, wie der Name „Wechseljahre“ es schon sagt, ein paar Jahre. Durchschnittlich starten die Wechseljahre, wenn die Frau zwischen 45 und 47 Jahre alt ist. Mit Ende 50, Mitte 60 ist dann meistens Schluss. Bis dahin kann es zu unangenehmen Beschwerden kommen. Neben den weit verbreiteten Hitzewallungen sind das vor allem Scheidentrockenheit, Gewichtszunahme, Stimmungsschwankungen, Stress, innere Unruhe und extreme Schlafstörungen, die oft auch durch die Hitzewallungen ausgelöst werden. Im schlimmsten Fall kann es auch zu Osteoporose oder Herzkrankheiten kommen.

Behandlung der Beschwerden

Die Wechseljahre selbst sind aber keine Krankheit, sondern eine ganz normale Phase im Leben einer Frau. Eine Behandlung ist deswegen nicht zwingend nötig, allerdings leidet ein Drittel aller Frauen unter schweren Symptomen – und damit auch unter einem Verlust an Lebensqualität, betont Facharzt Heinz-Wilhelm Esser im WDR 2-Podcast „Frag dich fit“.

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Um dem entgegenzuwirken, ist es zunächst wichtig, dass die Frauen aufgeklärt sind. Eine großangelegte epidemiologische Studie der Berliner Charité hat gezeigt, dass dadurch Ängste und Unsicherheiten genommen werden können und somit oft auch die Beschwerden nicht mehr so stark ausfallen. Ansonsten rät Doc Esser zu einer gesunden Lebensweise, einer ausgewogenen Ernährung und viel Bewegung. Auch Yoga und Meditationen können helfen, die Beschwerden zu lindern.

Letztes Mittel: Hormone

Hilft das alles nichts und ist die Lebensqualität der Frau dadurch sehr eingeschränkt, kann in Absprache mit dem Frauenarzt oder der Frauenärztin über die Einnahme von Phytoöstrogenen nachgedacht werden. Das sind pflanzliche Ersatzöstrogene, die jedoch auch Nebenwirkungen mit sich bringen. Schlagen diese nicht an, können für einen möglichst kurzen Zeitraum auch möglichst niedrig dosierte Hormonpräparate eingenommen werden – am besten bioidentische, die in ihrer Molekülstruktur exakt so sind wie die Hormone, die im weiblichen Eierstock produziert werden.

Bei Hormonpflaster und -gel wird eine niedrigere Dosis gebraucht als bei Tabletten, weshalb diese grundsätzlich verträglicher sind. Auch hier sollten die Patientinnen unbedingt aufgeklärt werden, sagt Doc Esser. Die Hormonpräparate reduzieren sehr zuverlässig die Symptome und auch das Osteoporoserisiko. Gleichzeitig erhöhen sie beispielsweise die Wahrscheinlichkeit für Blutgerinnsel, Brust- oder Gebärmutterkrebs. Deshalb sollte hier gut abgewogen werden.

Auch bei Männern ändert sich im Alter der Hormonspiegel. In der Regel produzieren sie mit zunehmendem Alter weniger Testosteron. Das kann, unter anderem, psychische Folgen haben. Ärzte sprechen dabei vom sogenannten PADAM-Syndrom. Grundsätzlich verläuft dieser Prozess aber wesentlich langsamer und weniger heftig als die Wechseljahre der Frau und ist nicht damit zu vergleichen.