Schmerzmittel: Hilfe und Gefahr zugleich

Frau nimmt eine Schmerztablette

Schmerzmittel: Hilfe und Gefahr zugleich

Von Barbara Brüwer

Viele Millionen Menschen in Deutschland leiden an chronischen Schmerzen. Kein Wunder, dass Betroffene Schmerzmittel in Massen kaufen. Doch das kann schnell gefährlich werden.

Ein Schluck und kurze Zeit später lassen die Schmerzen nach – egal wo der Schmerz ist, die Tablette wirkt. Das Geheimnis dahinter: Bei Schmerzen werden im betroffenen Körperteil mithilfe bestimmter Enzyme vermehrt Prostaglandine produziert. Die aktivieren die Schmerzrezeptoren und diese senden elektrische Pulse an das Gehirn. So weiß dieses dann: Der kleine Zeh tut weh. Schmerzmittel wie Ibuprofen blockieren die Wirkungsweise dieser Enzyme. Bei Paracetamol vermuten die Forscher, dass es auch im Gehirn wirkt.

Schmerzmittel - Ab wann hilft viel nicht mehr viel?

Frag Dich fit 22.10.2021 27:45 Min. Verfügbar bis 24.10.2031 WDR 2


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Unangenehme Nebenwirkungen

Das Bild zeigt vier unterschiedliche Schmerzmittelpreparate in einem Apothekenregal.

Die Einnahme von Schmerzmitteln kann Nebenwirkungen verursachen

Grundsätzlich gilt Paracetamol als sehr verträglich, aber es ist auch Vorsicht geboten, sagt Doc Esser, Lungenfacharzt am Klinikum Remscheid: „Du kannst dich mit Paracetamol – das wissen die wenigsten – tatsächlich in ein Leberversagen reinbringen. Und es gibt immer noch einige hundert Menschen, davon ein Großteil Frauen, die pro Jahr an Paracetamol versterben – im Rahmen eines Leberversagens.“ Auch bei den anderen Schmerzmitteln kommt es immer wieder zu unangenehmen Nebenwirkungen. Denn die Prostaglandine sorgen auch dafür, dass zum Beispiel Magen und Nieren funktionieren. Wenn also jemand Schmerzmittel einnimmt, sind diese weniger geschützt.

Schmerzmittel maximal zehn Tagen im Monat

Gerade in Kombipräparaten sind oft schon Schmerzmittel enthalten. Wer zusätzlich noch zu Schmerzmitteln greift, läuft schnell Gefahr, diese zu hoch zu dosieren. Schmerzmittel sollten nur im Bedarfsfall genommen werden und auch nie mehr als in der Packungsbeilage.

Außerdem gilt die Faustregel, dass man Schmerzmittel an maximal zehn Tagen im Monat nehmen sollte. Wer länger als ein bis zwei Monate am Stück so viele Tabletten einnimmt oder sogar mehr, sollte unbedingt einen Arzt aufsuchen. Es kann in Einzelfällen nötig sein, Schmerzmittel als Therapie über einen längeren Zeitraum einzunehmen. Das sollte aber begleitet werden.

Doc Essers Geheimtipp

Wer Schmerzen hat, soll natürlich nicht leiden. Bei Migräne beispielsweise kann es sinnvoll sein, frühzeitig zu Medikamenten zu greifen, damit sie überhaupt noch eine Chance haben, anzuschlagen.

Blutegel auf der Haut.

Blutegel als Alternative zu Schmerzmitteln bei Rücken- oder Gelenkschmerzen

Es gibt aber auch Alternativen in der Schmerztherapie. Zum Beispiel können Blutegel bei Rücken- oder Gelenkschmerzen eingesetzt werden. Etwas kostengünstiger sind Quarkwickel. Diese wirken abschwellend und schmerzlindernd – wenn auch nicht so stark wie Schmerzmittel.

Stand: 21.10.2021, 14:36