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Benedetta

Szene aus dem Film "Benedetta"

Benedetta

Von Andrea Burtz

Paul Verhoeven provoziert gerne und hat jetzt das Buch "Schändliche Leidenschaft. Das Leben einer lesbischen Nonne" verfilmt. Unterhaltsam, aber eher kein Aufreger, sagt WDR 2 Kinokritikerin Andrea Burtz.

Neue Filme: "House of Gucci", "Benedetta" und "Clifford"

WDR 2 Kino 02.12.2021 03:52 Min. Verfügbar bis 02.12.2022 WDR 2


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Darum geht's

Italien im 17. Jahrhundert. Bei Novizin Benedetta treten Wundmale Christi am Körper auf. Trotz Zweifel an der Echtheit der Stigmata steigt die junge Nonne als "Auserwählte Gottes" zur Äbtissin auf, die ein Doppelleben führt. Denn Benedetta weiß ihre Privilegien zu nutzen und lässt sich von einer Nonnenschülerin in die Geheimnisse der körperlichen Lust einführen. Doch die ehemalige Klostervorsteherin Felicitas kommt Benedetta auf die Spur.

Paul Verhoeven ("Showgirls", "Basic Instinct", "Elle")  hat das Sachbuch "Schändliche Leidenschaft. Das Leben einer lesbischen Nonne" von Judith C. Brown verfilmt.   

Darum geht's wirklich

Klerikale Machtstrukturen provokant freizulegen: In Verhoevens Version der Geschichte kämpft sich eine Frau, die typisches Männerverhalten an den Tag legt, schnell an die Spitze einer klösterlichen Gemeinschaft.

Die spielen mit

Virginie Efira ("Birnenkuchen mit Lavendel"), die zarte Charakterdarstellerin mit Engelsgesicht, spielt Benedetta. Charlotte Rampling zieht als strenge Äbtissin in ihren Bann.

Das sagt Kinokritikerin Andrea Burtz

Egal, ob "Basic Instinct", "Showgirls" oder zuletzt "Elle" – Regisseur Paul Verhoeven (83 Jahre) liebt die Provokation. Sein Spaß daran ist auch in Benedetta zu spüren. Genüsslich zeigt der Niederländer Erotik hinter Klostermauern und trägt dabei dick auf: vom tiefen Ausschnitt der Magd des Bischofs bis zum selbstgeschnitzten Dildo aus einer Marienfigur. Benedetta ist bei Verhoeven eine Nonne auf schmalem Grat zwischen Erleuchtung und Wahn.

Er erzählt die wahre Geschichte der lesbischen Nonne gnadenlos, oft sogar vulgär. Da spritzt das Blut, wenn Wundmale aufbrechen oder eine Mitschwester vom Kirchturm stürzt. "Benedetta" ist mehr Exploitationkino der 1970er Jahre denn Historiendrama. Ob Verhoevens kalkulierter Skandal im Jahr 2021 wirklich zum Aufreger taugt, bezweifle ich. Auch wenn der Film kein Meisterwerk ist, unterhaltend ist diese Historienfarce allemal.    

Die Bewertung auf einen Blick

Drei von fünf Sternen

Historiendrama, Frankreich 2021

Länge: 131 Minuten

Ab 16 Jahren

Kinostart: 2. Dezember 2021

Stand: 02.12.2021, 15:30