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Warum heißt die "Leseratte" so?

Stand: 24.01.2022, 00:00 Uhr

Henry (6 Jahre alt) aus Attendorn möchte gerne von der Maus wissen, warum man einen Vielleser "Leseratte" nennt.

Von Frank Krieger

Warum heißt die "Leseratte" so?

WDR 2 Frag doch mal die Maus 24.01.2022 01:34 Min. Verfügbar bis 24.01.2023 WDR 2


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Normale Ratten essen so ziemlich alles. Ähnlich geht es der Leseratte im Hinblick auf Gedrucktes - sie verschlingt alle Bücher, die ihr vor die Nase kommen.

Früher war dieser Ausdruck nicht nett gemeint. Man wollte zum Ausdruck bringen, dass jemand reichlich wahllos alles liest. Ohnehin waren die meisten Begriffe, in denen Ratten vorkommen, nicht positiv gemeint: Viele Menschen mögen Ratten nicht, da sie auch Krankheiten verbreiten können.

Landratte und Wasserratte

Es gibt zum Beispiel das Wort "Landratte". Gemeint ist hiermit jemand, der überhaupt keine Ahnung vom Meer und der Seefahrt hat. Oder die "Wasserratte": Hiermit war in früheren Zeiten ein Schiffsdieb oder Pirat gemeint, heutzutage - ganz freundlich - jemand, der Wasser mag, gerne schwimmt oder plantscht.

Zurück zur Leseratte: In früheren Zeiten konnten viele Menschen nicht lesen. Als sie dann lesen lernten, hatten einige der Mächtigen Angst, dass Menschen dadurch zu viel wissen und zu schlau werden - und vielleicht auch ihre Herrschaft hinterfragen. Vielleicht haben die sich das Wort ausgedacht?

Denn der genaue Ursprung des Begriffs ist unklar. Das hat die Maus bei der "Gesellschaft für deutsche Sprache" erfahren.

Professoren als Leseratte

Eine weitere Geschichte rund um die Leseratte: Früher sollen Studenten, die ihre Professoren langweilig fanden, diese als Leseratte bezeichnet haben. Bei den Vorlesungen an der Uni wurde damals häufig wirklich nur vorgelesen. Und manche Dozenten haben dabei mit ihren dicken Brillen offenbar wie eine Ratte ausgesehen.

Mittlerweile wissen wir: Lesen bildet. Und deswegen ist es heute positiv gemeint, wenn jemand sagt: "Der ist eine Leseratte". Derjenige liest viel, soll es bedeuten. Zudem haben Wissenschaftler inzwischen herausgefunden, dass Ratten schlau sind.

Die Antwort lautet also:

Das umgangssprachliche Wort "Leseratte" bezeichnet scherzhaft jemanden, der gern und viel liest - früher allerdings oft mit negativem Unterton, da die "Leseratte" scheinbar wahllos alles Lesbare verschlingt. Dieses Bild der hemmungslosen Gier ist vom Fressverhalten der Ratte auf die Lesegewohnheiten des Viellesers übertragen worden.

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