Anrede in einem Brief "Sehr geehrte Frau..., sehr geehrter Herr..."

Warum "Frau" Schmidt und nicht "Dame" Schmidt?

Stand: 26.09.2022, 00:00 Uhr

Lina (9 Jahre alt) aus Recklinghausen hat eine Frage zur Anrede bei Erwachsenen: Warum sagt man Frau Schmidt und Herr Schmidt und nicht Dame Schmidt und Mann Schmidt?

Von Frank Krieger

Warum "Frau" Schmidt und nicht "Dame" Schmidt?

WDR 2 Frag doch mal die Maus 26.09.2022 01:55 Min. Verfügbar bis 26.09.2023 WDR 2


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Die einfache Antwort ist: Das hat sich im Laufe der Zeit so entwickelt in unserer Sprache. Aber die Maus wollte das genauer wissen und hat herausgefunden: Hier haben sich Wörter aus verschiedenen Sprachen sozusagen gemischt. Sprache ist ja auch nicht immer logisch, so schreibt man als Anrede in einem förmlichen Brief ja "Sehr geehrte Damen und Herren" und nicht "Sehr geehrte Frauen und Männer".

Sprachwissenschaftler haben es der Maus so erklärt: Das Wort "Frau" gibt es bereits seit rund 1.200 Jahren. Und dass "Frau" das "feinere Wort" war. Frau hat die Bedeutung "Herrin" – gehörte also von der Bedeutung zu "Herr". Früher haben die Menschen zu einer Frau auch Herrin gesagt.

Eigentlich kommt Frau aus der altgermanischen Sprache: Da hießen die Männer dann "Fraujan". Wir könnten also auch sagen "Hallo Frau Schmidt, Hallo Fraujan Schmidt". Allerdings hat sich das im Deutschen nicht durchgesetzt. Genau wenig wie "Hallo Herrin Schmidt, Hallo Herr Schmidt".

Das Wort "Dame" hingegen gibt es erst seit ungefähr 500 Jahren. Es kommt etwa aus dem französischen: "dame" – so hat man damals adelige Frauen angesprochen, es wurde ein fester Titel. Später wurden auch Frauen in nicht adeligen Kreisen "Dame" genannt.

Dame im Französischen stammt ursprünglich aus der lateinischen Sprache: Da gibt es "dominus" und "domina" – beide haben in ihrem Haus das Sagen – als Hausherr und Hausherrin.

Die Bedeutungen von "Dame" und "Frau" sind also ursprünglich sehr ähnlich, es haben sich in unserer Sprache einfach unterschiedliche Begriffe bei der Anrede durchgesetzt.

Die Antwort lautet also:

Laut Gesellschaft für deutsche Sprache wird das Wort "Frau" seit etwa 1.200 Jahren benutzt: Es hatte die Bedeutung "Herrin" - war also das weibliche Gegenstück zu "Herr" und nicht zu "Mann". Deshalb wird es bis heute als Anrede benutzt. Das Wort "Dame" wurde vor etwa 500 Jahren aus dem Französischen übernommen. Zunächst war es ein "Titel" für adelige Frauen, später hat es sich in der Bedeutung "vornehme Frau" auch bei Bürgern durchgesetzt. Die beiden Begriffe sind also vor vielen Jahren in unsere Sprache gekommen und Sprache ist oft nicht einheitlich und manchmal auch nicht nachvollziehbar, sagen Sprachexperten.

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