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Sarah Schmidt - Seht, was ich getan habe

Das Buchcover von Sarah Schmidts Krimi "Seht was ich getan habe", im Hintergrund eine Axt

WDR 2 Krimitipp

Sarah Schmidt - Seht, was ich getan habe

Von Oliver Steuck

Das Buch "Seht, was ich getan habe" von der australischen Autorin Sarah Schmidt ist ein packender und verstörender Roman. Die Analyse eines brutalen Doppelmordes, der auf einer wahren Geschichte beruht: dem Fall Lizzie Borden.

Die 32-jährige Lizzie Borden soll ihren Vater und ihre Stiefmutter getötet haben - auf sehr brutale Weise mit mehreren Axthieben. Zu den Opfern hatte sie ein sehr angespanntes Verhältnis. Der Grund dafür ist in der Familiengeschichte selbst zu finden. Der Vater war reich, aber extrem geizig und führte die Familie mit harter Hand. Es zählten Demut und Pflichterfüllung, wirkliche Liebe und Wärme gab es in dieser Familie offenbar nicht. Wurde Lizzie Borden durch diese Umstände zur Mörderin? Der wahre Fall ist bis heute ungelöst.

Ein Stück US-Kriminalgeschichte

Der Fall Lizzie Borden ist ein Stück US-amerikanischer Kriminalgeschichte. Das Verbrechen von 1892 endete vor Gericht - mit einem Freispruch für Lizzie, die aber bis zu ihrem Lebensende von der Gesellschaft geächtet wurde. In den USA ist ihre Geschichte so bekannt, dass sie bis heute nachwirkt - in der Literatur, in der Popmusik und im Fernsehen. Sogar bei den Simpsons gab es eine Folge, die sich damit beschäftigt hat.

Krimi und Familiendrama

Die australische Autorin Autorin Sarah Schmidt ist in einem Second-Hand-Buchladen über diese Geschichte gestolpert. Die 38-jährige Bibliothekarin hat sich jahrelang mit dem Fall beschäftigt. Dabei interessierte sie nicht nur der Doppelmord selbst, sondern vor allem die Familiengeschichte der Bordens. Und die hat sie in ihrem Roman nun analysiert. Sie gibt mehreren Betroffenen eine Stimme. Lizzie selbst natürlich, aber auch ihrer älteren Schwester Emma, die Lizzie nach dem Tod der leiblichen Mutter aufziehen musste. Aber auch der Haushälterin Bridget, die ebenso unter dem düsteren Miteinander im Hause Borden zu leiden hatte, und Benjamin, einem mysteriösen Bekannten eines Onkels der Mädchen. Sie alle erzählen von dem Verbrechen, aber auch von sich und der Familie.

Packend, verstörend, grandios

Die Übergänge zwischen Schuldigen und Opfern sind fließend. Sarah Schmidt präsentiert ein Familiendrama, das mindestens so spannend ist wie der Kriminalfall selbst. Die Beschreibung einer einzigen Ohrfeige hat mich beim Lesen mehr berührt und schockiert als jeder blutrünstige Serienkiller-Roman. Es ist ein Buch über Unterdrückung und Angst, über Zwang, Misstrauen und Missgunst. In dieser Familie musste offenbar so viel Verzicht geübt werden, dass jeder dem anderen jede kleine Freiheit geneidet hat. Diese Stimmung hat Autorin Sarah Schmidt so grandios eingefangen, dass ich vieles mit großer Fassungslosigkeit gelesen habe. Eine ganz alltägliche Situation kann in jeder Sekunde kippen und als großes Unglück enden. Das ist ein teilweise verstörender, aber sehr packender Lesestoff und eine Geschichte, die einem lange im Gedächtnis bleibt.

Sarah Schmidt - Seht, was ich getan habe

WDR 2 Krimitipp | 05.02.2018 | 02:46 Min.

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Sarah Schmidt
Seht, was ich getan habe
(
übersetzt von Pociao)
Pendo-Verlag
ISBN: 978-3-86612-435-6
Preis: 20 Euro
auch als e-Book und Hörbuch erhältlich

Stand: 05.02.2018, 17:59