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P.B. Vauvillé - Dunkle Nächte auf Montmartre

Cover von P.B. Vauvillé - Dunkle Nächte auf Montmartre, im Hintergrund der Montmartre in Paris bei Nacht

WDR 2 Krimitipp

P.B. Vauvillé - Dunkle Nächte auf Montmartre

Von Oliver Steuck

Eine Tote sorgt an einem heißen Augustmorgen im Pariser Montmartre-Viertel für Wirbel. Ein Fall für die Polizei? Sicherlich. Aber ein Jazzgitarrist mischt fleißig mit und ist den Ermittlern meist einen Schritt voraus.

Im Keller seines Cabarets und Nachtclubs "Le Narcisse" findet der Betreiber Moulin seinen Showstar Daphné. Die Frau wurde ermordet. Allerdings stellt sich auf den zweiten Blick heraus, dass die Tote gar nicht Daphné ist, sondern eine Frau, die sich nur exakt wie sie gekleidet und herausgeputzt hat. Ein rätselhafter Fall, den Commissaire Corsini zu bearbeiten hat. Und weil Clubbesitzer Moulin eine sehr spezielle Beziehung zu Corsini hat, setzt er seinen Ziehsohn Quentin Belbasse darauf an, Nachforschungen auf eigene Faust anzustellen.

Ein Jazzgitarrist als Privatdetektiv

Quentin Belbasse ist ein junger Typ Anfang 30, Jazzgitarrist und Lebenskünstler. Wie Moulin ist er in der schäbig-schillernden Welt rund um Montmartre zu Hause. Kein wirklicher Detektiv. Er tut Moulin einfch nur einen Gefallen, denn er ist zeitweise bei ihm und seiner Frau aufgewachsen. Belbasse' leibliche Mutter spielt aber auch eine Rolle: eine ziemlich durchgeknallte Künstlerin, die zwischendurch auch mit Begeisterung mitermittelt. Beide haben jede Menge zu tun, denn es gibt eine ganze Menge verdächtiger Personen.

Klassischer Krimi à la Miss Marple

"Dunkle Nächte auf Montmartre" ist deutlich weniger düster, als der Titel vermuten lässt. Es ist ein sehr klassischer Krimi. Am Anfang gibt es eine Leiche. Der Rest ist viel Rennerei und Leute befragen. So wie es schon die "Mutter aller Ermittler", Miss Marple, getan hat. Dabei bleibt die Spannung eher auf moderatem Level. Das Buch ist aber trotzdem nicht langweilig, weil es einen ganz besonderen Charme versprüht – nämlich den des romantisch-verruchten Montmartre-Viertels. Wir begleiten Belbasse auf seiner Tour zu den Menschen rund um den Club "Le Narcisse". Da gibt es Travestiestars, Instrumentenbauer und Vermieter. Alle so ein bisschen zwischen bürgerlich und leicht halbseiden angesiedelt.

Ermittlungen mit besonderem Charme

Wer ein Herz für schräge Vögel hat, die Melancholie hinter der Glitzerwelt mag und auf ein bisschen Wortwitz steht, den erwartet ein ganz wunderbares Lesevergnügen. Das Personal in diesem Buch ist eine tolle Mischung. Man bummelt als Leser in Gedanken gemütlich durch Montmartre, kombiniert und knobelt mit Belbasse, wer denn wohl der Mörder ist und auch warum die Tote sich als Daphné verkleidet hat. Und wer Paris mag, der hat hiermit auf jeden Fall die perfekte Lektüre.

Autoren-Duo mit Paris-Leidenschaft

Das liegt vielleicht auch daran, dass die beiden Autoren, die sich hinter dem Pseudonym P.B. Vauvillé verbergen, Paris wie ihre Westentasche kennen. Es handelt sich um die gebürtige Frankfurterin Bertina Henrichs. Die Schriftstellerin und Filmemacherin lebt und arbeitet seit mehr als 20 Jahren in der französischen Hauptstadt. Ihr Debütroman "Die Schachspielerin" wurde mit Sandrine Bonnaire und Kevin Kline verfilmt. Der Franzose Philippe Vauvillé ist Filmemacher, Musiker und singt in Jazz- und Rockbands.

P.B. Vauvillé - Dunkle Nächte auf Montmartre

WDR 2 Krimitipp | 07.05.2018 | 04:01 Min.

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P.B. Vauvillé
Dunkle Nächte auf Montmartre
Verlag: Hoffmann & Campe
ISBN: 978-3-455-00080-1
Preis: 16 Euro

Stand: 07.05.2018, 16:18

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