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Max Bronski - Oskar

Cover Max Bronski "Oskar", im Hintergrund eine Ansicht des Englischen Gartens und der Frauenkirche in München

WDR 2 Krimitipp

Max Bronski - Oskar

"Oskar" nennt sich die Titelfigur in Max Bronskis Roman. Denn er hat keinen blassen Schimmer, wer er wirklich ist. Spannend geschrieben, gut zu lesen - allein für die letzten drei Seiten lohnt sich dieses Buch, sagt Krimirezensent Oliver Steuck.

Oskar kommt zu sich und stellt fest, dass er in einem fahrenden Leichenwagen liegt. Und zwar auf der Ladefläche in einem billigen Sarg. Es gibt noch zwei weitere Särge und einen Sack mit Tierkadavern. Alles soll ins Krematorium. Also beschließt Oskar, nichts wie raus hier. An einer Ampel ergreift er die Flucht und versucht herauszufinden, was passiert ist und vor allem, wer er überhaupt ist. Das ist gar nicht so einfach mit zwei Stimmen im Kopf, die sich ständig einmischen, und merkwürdigen Mafiatypen, die ihm nachstellen, um ihn offenbar endgültig abzumurksen.

Keine Gangster-Komödie

Was beginnt, wie eine schräge Gangster-Komödie, lässt sich kaum einem Genre zuordnen. Man liegt damit immer falsch. Zunächst einmal ist "Oskar“ ein Buch mit mehr Tiefgang, als man vermutet. Die Geschichte wird düsterer und deutlich ernsthafter. Sie ist nie wirklich witzig, aber es gibt vor allem am Anfang immer wieder Situationskomik. Es wird philosophisch: Oskar grübelt natürlich viel über sein Dasein nach. Und plötzlich, mit zurückkehrender Erinnerung, findet man sich als Leser plötzlich in einer Familientragödie wieder. Nur um anschließend beinahe das große klassische Drama vorzufinden – mit den großen Themen Freundschaft und Verrat, Schuld und Sühne. Ein ganz schön unberechenbares Buch.

Schwerer Stoff leicht verpackt

Max Bronskis Roman "Oskar" hat viele Facetten und verliert sich dennoch nie. Man bleibt dran und das liegt wohl auch daran, dass sich der Erzählstil im Gegensatz zum Inhalt gar nicht so sehr ändert. Bronski erzählt seine Geschichte wunderbar leicht. Immer aus der Sicht von Oskar. Und so bewegt man sich durch dieses Buch ähnlich wie die Hauptfigur. Man wundert sich, man rätselt, man lässt die ersten Erinnerungen auf sich wirken. Das ist toll geschrieben und als Leser ist man voll und ganz bei Oskar und will unbedingt wissen, wie es ausgeht.

Wer ist Max Bronski?

Erst im vergangenen Jahr wurde das Geheimnis um Autor Max Bronski gelüftet. Hinter dem Pseudonym verbirgt sich der Münchner Franz-Maria Sonner, Mitte 60, unter anderem Herausgeber und Produzent von Hörbüchern. Seit gut zehn Jahren schreibt er seine Krimireihe um den Antiquitätenhändler Gossec, aber auch andere Titel. Sein neuer Roman "Oskar" steht für sich und wartet übrigens mit einem Ende auf, das ich zweimal lesen musste, weil ich kurz dachte, ich hätte etwas falsch verstanden. Hatte ich aber nicht und so kann ich sagen: Allein für die letzten drei Seiten lohnt sich dieses Buch. Da gibt es noch einen richtigen Knaller. Also, wehe einer guckt schon vorher aufs Ende. Das ist streng verboten!

Max Bronski - Oskar

WDR 2 | 04.12.2017 | 03:20 Min.

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Max Bronski
Oskar
Droemer-Verlag
ISBN: 978-3-426-30610-9
14,99 Euro

Stand: 04.12.2017, 18:48