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Ken Bruen - Brant

Cover Ken Bruen "Brant", im Hintergrund Beamte der Londoner Polizei

WDR 2 Krimitipp

Ken Bruen - Brant

Von Udo Feist

Eine junge Polizistin wird von einem Unbekannten erschossen. Der Mörder kündigt an, weitere Beamten zu töten. Der Cop-Killer soll so schnell wie möglich gefasst werden. Detective Sergeant Brant hat seine eigenen Methoden.

Sergeant Brant tut im Südwesten von London Dienst. Wie er das macht, ist grenzwertig. Der ruppige Zyniker schlägt oft über die Stränge und auch mal zu. Ganoven haben Respekt und sogar Angst vor ihm. Kollegen meiden es, ihm in die Quere zu kommen.

Volltreffer beim Polizeipsychiater

Weil er nicht nur unerschrocken ist, sondern auch schlau, kommt er meistens damit durch. Nun droht ihm aber die Suspendierung. Brant muss zum Polizeipsychiater, doch der holt sich eine blutige Nase. Schließlich ist sein Job alles, was Brant hat, und das bekommt der Psychiater voll zu spüren. Brant kann die Zufriedenheit über den Schlag nur kurz genießen, denn plötzlich wird es hektisch. Ein bislang bloß mit Wildpinkeln und Verkehrsdelikten auffällig gewordener Bürger fühlt sich von der Polizei schikaniert und will Rache. Er beginnt arglose Polizisten zu erschießen. Begeistert vom eigenen Medienecho kündigt er einem Sensationsreporter weitere Polizistenmorde an.

Sergeant Brant soll letztes Opfer des Killers werden

Was noch niemand wissen kann: Brant soll sein letztes Opfer sein. Der hatte ihn mal in einer Bar niedergeschlagen, weil er rassistisch gepöbelt hatte. Für Hochspannung ist in Ken Bruens frech erzähltem Roman "Brant" also gesorgt – und mitten drin der sarkastische Sergeant, von dem auch verletzliche Seiten zum Vorschein kommen. Ob man ihn mag oder nicht, bleibt jedem selbst überlassen. Er ist jedenfalls einer, an dem man sich reibt und der einen auch vor den Kopf stoßen kann: Um die 50, durchtrainiert, mit Erfolg bei den Frauen, ein guter Ermittler und einer, der sich anlegt - ob nun mit Schlägern, intriganten Kollegen, aufstiegsorientierten Speichelleckern oder mächtigen Vorgesetzten.

Erfrischend quer zum System

Ein einsamer Wolf wie Clint Eastwood in den Dirty Harry-Filmen ist er dabei nicht. Im Gegenteil, er geht Freundschaften ein, und das verlässlich – allerdings oft mit Leuten, die ebenfalls quer zum System stehen. Mit einer attraktiven Kollegin etwa, die wegen eines Traumas am Rande des Wahnsinns steht und nun das auf der Straße konfiszierte Koks selbst konsumiert. Oder mit einem biederen Vorgesetzten, der nach dem Tod seiner Frau aus der Spur gerät. Brant kümmert sich rührend. Er hat einfach Klasse, so sehr er auch polarisiert. Und der Showdown liegt noch vor ihm. Erfunden hat diesen wuchtigen Londoner Sergeant kein Engländer, sondern ein Ire: Ken Bruen, 1951 in Galway geboren und hoch gebildet. Bruen schrieb seine Doktorarbeit über Metaphysik, langt in seinen Krimis aber stets überzeugend diesseitig zu.

Ken Bruen - Brant

WDR 2 Krimitipp | 23.10.2017 | 03:44 Min.

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Ken Bruen
(übersetzt von Len Wanner)
Brant
Polar-Verlag
ISBN 978-3-945133-45-3
16 Euro

Stand: 23.10.2017, 00:00