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Chan Ho-kei - Das Auge von Hongkong

Cover des Buchs "Das Auge von Hongkong" von Chan Ho-kei: Mann läuft durch Hongkong. Hinterm Cover sieht man die Skyline von Hongkong

WDR 2 Krimitipp

Chan Ho-kei - Das Auge von Hongkong

Von Udo Feist

Er weiß, worauf es ankommt, ist ein genauer Beobachter und zieht messerscharfe Schlüsse. Und er hat eine ganze Menge gesehen. Er ist "Das Auge von Hongkong" - ein Polizist und seine Stadt.

Die Polizei ist für die Bürger da, für ihre Unversehrtheit und ihre Rechte. Und sie muss sauber sein. Das sehen nicht alle so, aber Inspector Kwan Chun-dok. Kwan ist der angesehenste Polizist Hongkongs, schlau, erfolgreich und korrekt. Er hält sich an die Vorschriften. Eigentlich. Um Unschuldige zu schützen, arbeitet er jedoch auch schon mal mit Tricks. Er hält das für ein Gebot der Vernunft.

Portrait von Mann und Stadt

Er ist kein gelackter Superbulle mit Muskeln, Riecher und Schießwut, sondern als Typ eher bieder. Aber er hat einen wachen Intellekt und Werte, denen er folgt. Er ist kompetent und integer, kurzum: Ein Polizist mit idealen Zügen, und anders als oft in der Wirklichkeit steigt er auf - vom Streifendienst bis zum Leiter der zentralen Ermittlungseinheit. Der 1975 in Hongkong geborene und dort nach wie vor lebende Chan Ho-kei, der bereits Programmierer, Spieleentwickler und Manga-Lektor war, stellt Kwan in den Mittelpunkt seines Romans "Das Auge von Hongkong". Das Buch zeichnet in sechs eigenständigen Fällen ein fesselndes Portrait des Inspectors und seiner Stadt.

Gauner, Unternehmer, korrupte Bullen und Triaden

Im ersten, 1967, läuft Kwan noch Streife. In Hongkong, zu dieser Zeit noch britische Kronkolonie, toben anti-britische Unruhen, und es gibt zahlreiche Bombenanschläge. 2013, beim letzten Fall, gehört die Stadt bereits wieder zum kommunistischen Festlandchina. Die Demokratie leidet, doch die Wirtschaft brummt, und in einer Unternehmerfamilie tun sich Abgründe auf. Da ist Kwan schon in Pension, steht der Truppe aber als Sonderberater zur Verfügung. Außerdem bekommt er es mit korrupten Bullen, ganz gewöhnlichen Verbrechern und Triaden, den örtlichen Mafiabanden, zu tun. Und stets findet er einen zumeist überraschenden Weg, um die Fälle zu lösen.

Sechs Ermittlerkrimis in einem Buch

Das sind sechs spannende Ermittlerkrimis in einem Buch mit Kwan als Klammer, alle mit messerscharfen Schlüssen und zahlreichen Wendungen. Die Episoden werden chronologisch rückwärts erzählt. So lernen wir diesen Mann immer besser kennen und erleben mit, wie er der wurde, der er war. Der dicke Band zeigt zugleich die Geschicke Hongkongs von der Zeit als Kronkolonie bis heute. Das Buch ist spannender Krimi und Gesellschaftsroman in einem, bringt die Stadt Hongkong und ihre Bürger unterhaltsam nahe. Und die haben mit Kwan einen Polizisten, wie er im Buche steht! Ein außergewöhnlicher Krimi. Unbedingt lesen.

Chan Ho-kei - Das Auge von Hongkong

WDR 2 Krimitipp | 25.09.2018 | 03:29 Min.

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Chan Ho-kei
Das Auge von Hongkong
(übersetzt von Sabine Längsfeld)
Verlag: Atrium
ISBN: 978-3855350285
Preis: 24 Euro

Stand: 24.09.2018, 00:00