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Carlo Lucarelli - Italienische Intrige

Cover Carlo Lucarelli "Italienische Intrige", im Hintergrund eine Stadtansicht von Bologna

WDR 2 Krimitipp

Carlo Lucarelli - Italienische Intrige

Von Udo Feist

Jazz und Drogen, eine ertränkte Frau, tödliche Unfälle und ein kalt gestellter Kommissar, der für den Geheimdienst ermittelt - Carlo Lucarellis "Italienische Intrige" spielt in Bologna, im Winter des Jahres 1953.

"Ich möchte wissen, ob der Mord auch auf unser Konto geht." Eine Frage, die man am ehesten einem Gangsterboss zutraut, dem die Zügel über seine Leute entglitten sind. Aus dem Mund eines Geheimdienstchefs wirkt sie aber überraschend. So reagiert auch Kommissar De Luca. Und dass darin wie in jeder Frage zugleich eine Aussage steckt, ist ihm ebenfalls nicht entgangen.

Verdächtiger Professor

In Bologna wird im Winter 1953 eine attraktive Professorenwitwe erst blutig geschlagen und dann in der Wanne ertränkt. Der Mord geschieht in der Stadt-Absteige ihres Mannes, der sich dort zuvor immer mit Jazzmusikern und seiner Geliebten traf. Kommissar De Luca soll den Mord im Auftrag des Geheimdienstes aufklären. Der hatte sich wegen dessen heikler Forschungsarbeit bereits für den Professor interessiert. Der Mann galt wegen seines Lebenswandels und seiner kritischen Einstellung als verdächtig, starb aber selbst kurz zuvor bei einem Autounfall.

Jazzfans und finstere Gestalten

So kommt De Luca an den Fall, auch weil gerade verfügbar ist. Er ist seit Jahren ist er bei der Polizei im Zwangsurlaub, weil er schon unter Mussolini Dienst getan hat. Obwohl vieles auf eine Tat aus Leidenschaft oder einen Raubmord hindeutet, ist alles viel komplizierter. De Luca bekommt es mit einer hinreißenden Sängerin, mit hasch- und amphetaminbegeisterten Jazzfans und finsteren Gestalten zu tun, die schon für die SS mordeten. Und weil De Luca mehr herausfindet, als er soll, gerät er selbst in Todesgefahr.

Kalter Krieg

Es ist die Zeit des Kalten Krieges: Geheimdienste sind emsig aktiv, nicht bloß italienische, und alle nehmen sich ohne zu zögern auch jenseits der Gesetze viel heraus - für die gerechte Sache, wie das dann stets heißt. "Italienische Intrige" fängt die düstere Atmosphäre jener Epoche hervorragend ein. Der Roman hat prägnante Figuren und immer neue Wendungen. Das fesselnde Buch begeistert mit stimmigem Zeitkolorit und ist dabei durchaus aktuell, was etwa Vorurteile und Machtmissbrauch angeht. Und De Luca beginnt bald selbst zu täuschen, um die Geschichte heil zu überstehen, was nur fast gelingt. Das ist gute Unterhaltung, von der man etwas hat. Und am Ende ist alles doch ganz anders, als es schien.


Carlo Lucarelli
Italienische Intrige
(übers. von Karin Fleischanderl)
ISBN 978-3-852567532
Folio Verlag
18 Euro

Stand: 20.08.2018, 00:00