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C.J. Tudor - Der Kreidemann

Cover von C.J. Tudor - Der Kreidemann, im Hintergrund die Kulisse eines Jahrmarkts

WDR 2 Krimitipp

C.J. Tudor - Der Kreidemann

Von Oliver Steuck

Die Autorin C. J. Tudor gilt als eine der Shooting Stars unter den britischen Krimi- und Thrillerautoren. Jetzt ist ihr Debüt "Der Kreidemann" auch bei uns erschienen. Eine spannende, unheimliche und geheimnisvolle Geschichte, die der Leser zu einem großen Teil aus der Sicht eines 12-Jährigen erlebt.

Eine Hitzewelle lastet auf einer britischen Kleinstadt im Sommer 1986. Diesen heißen Sommer erleben der 12-jährigen Eddie und seine Clique so, wie es wohl viele Kinder dem Alter tun. Die Ferien erscheinen endlos. Jeder neue Tag ist ein weiteres Abenteuer. Und wenn es geht, sind die Freunde von morgens bis abends gemeinsam unterwegs. Alles ist ein bisschen geheimnisvoll und spannend, aber vor allem noch ziemlich unbeschwert. Diese Stimmung transportiert die Autorin C. J. Tudor auf ganz großartige Art und Weise. Allerdings ist es weniger die leichte, beschwingte Sommerstimmung, die sie beschreibt, sondern eher das Schwüle, Drückende, Bedrohliche. Denn in diesem Sommer werden Eddie und seine Freunde ihre kindliche Unschuld verlieren und nichts wird mehr so sein, wie es war.

Die unheimlichen Kreidemännchen

In der Kleinstadt passieren dramatische Dinge. Alles beginnt mit einem schrecklichen Unfall auf dem Jahrmarkt, in den auch Eddie verwickelt wird. Dabei lernt er Mr. Halloran kennen, der nach den Ferien sein neuer Lehrer wird. Ein Mann Anfang 30 und kreidebleich. Ein Albino. Mr. Halloran wird für Eddie im Verlauf des Buches eine wichtige Rolle spielen. Vor allem bringt der ihn auch auf die Idee mit den Geheimbotschaften, die sich Eddie und seine Freunde in Form von Kreidemännchen in die Hofeinfahrt kritzeln. Doch die Kreidemännchen scheinen sich selbstständig zu machen und führen die Kinder zu einer Mädchenleiche.

Ein Verbrechen, das bis in die Gegenwart wirkt

30 Jahre später, Eddie ist inzwischen selbst Lehrer in der Kleinstadt, tauchen die Kreidemännchen wieder auf. Was damals, heute und in der Zeit dazwischen wirklich passiert ist, das ist Thema dieses Buches. Und das ist unheimlich, schockierend, aber auch bewegend. „Der Kreidemann“ ist kein Buch, das ständig auf Schockeffekte setzt und so richtig blutig ist es auch nicht, dennoch liegt eine konstante Spannung auf dieser Geschichte. Und wenn man in den 80er Jahren Kind oder Jugendlicher war, dann schwingt bei den Rückblenden ins Jahr 1986 sogar ein bisschen Melancholie mit.

Ein großartiges Debüt

Mit "Der Kreidemann" hat C. J. Tudor ein furioses Thrillerdebüt hingelegt, das sich mal eben in fast 40 Länder verkauft hat. Die Idee dazu kam ihr, als ihre kleine Tochter zum Geburtstag ein Paket Kreide geschenkt bekam. Die Strichmännchen in der Hofeinfahrt wirkten abends im Dunkeln nämlich irgendwie bedrohlich, fand Tudor – und begann zu schreiben. Ihren Job als Hundesitter und Gassigängerin hat sie inzwischen aufgegeben und arbeitet an weiteren Büchern. Und wenn sie liest, dann besonders gerne Stephen King. Der ist, so hört man, inzwischen auch ein Fan von C. J. Tudor. "Der Kreidemann" ist ein großartiges Buch. Ich wüsste gerade keinen aktuellen Thriller, der besser als spannende Sommerlektüre geeignet wäre.

C.J. Tudor - Der Kreidemann

WDR 2 Krimitipp | 18.06.2018 | 03:14 Min.

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C.J. Tudor
Der Kreidemann
Verlag: Goldmann
ISBN: 978-3-442-31464-5
Preis: 20 Euro

Stand: 18.06.2018, 17:41