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Alex Beer - Die rote Frau

Cover von Alex Beer - Die rote Frau; im Hintergrund eine Straßenlaterne in Wien

WDR 2 Krimitipp

Alex Beer - Die rote Frau

Von Oliver Steuck

In unserem Krimitipp geht es diesmal nach Wien. Dazu reisen wir fast hundert Jahre zurück in die Vergangenheit. Ins Jahr 1920. In dieser Zeit spielt "Die rote Frau" von Alex Beer. Ein historischer Krimi, der seinen besonderen Reiz hat und viel enger mit der Gegenwart verknüpft ist, als man zunächst denkt.

Alex Beer - Die rote Frau

WDR 2 Krimitipp | 02.07.2018 | 03:34 Min.

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Wien im Jahr 1920. Die Bevölkerung leidet unter den Folgen des Ersten Weltkriegs. Viele Menschen sind körperlich und seelisch stark angeschlagen. Dazu kommt eine große Armut, die freilich nicht alle gleichermaßen trifft. Ein beliebter Stadtrat setzt sich für die Kriegsversehrten ein, doch dann wird er ermordet. Die Abteilung "Leib und Leben" der Wiener Polizei ermittelt. Allerdings nicht Rayonsinspektor August Emmerich. Der wird mit dem Fall einer möglicherweise nur hysterischen Filmschauspielerin abgespeist. Diese fühlt sich nämlich bedroht. Heimlich mischt sich Emmerich dann aber doch in den Mordfall ein.

Außenseiter Emmerich

Inspektor August Emmerich wird von seinen Kollegen im Kommissariat nicht so richtig für voll genommen. Er ist eine Art Quereinsteiger. Ein Kriegskrüppel, der als einfacher Polizist, wie viele meinen, nur zufällig einen großen Fall gelöst hat und deshalb in die Abteilung "Leib und Leben" aufgestiegen ist. Mit seinem jungen Kollegen Ferdinand Winter, einem inzwischen verarmten Spross aus besserem Hause, darf er die Jobs erledigen, die sonst keiner übernehmen will. Auch privat läuft es für Emmerich nicht. Sein Zuhause und seine große Liebe Luise hat er verlassen müssen, nachdem ihr totgeglaubter Mann aus der Kriegsgefangenschaft zurückkam. Nun lebt Emmerich im Männerhaus.

Erschreckend aktuell

"Die rote Frau" ist ein historischer Kriminalroman, der so historisch gar nicht ist. Auch wenn die Geschichte vor rund hundert Jahren spielt, ist sie manchmal gar nicht so weit von unserer Gegenwart entfernt. Und das macht das Buch auf sehr erschreckende Weise wieder aktuell. Wir haben bei uns viele Menschen, die wegen eines Krieges flüchten mussten. Menschen, die teilweise schwer traumatisiert sind. Wir haben in vielen Ländern schwierige politische Verhältnisse und vor allem nationalistische Tendenzen, die Minderheiten ausgrenzen. All das finden wir, wenn auch unter anderen politischen Vorzeichen, im Wien des Jahres 1920. Und das Verbrechen, das in diesem Fall Inspektor August Emmerich beschäftigt, ist eng mit der politischen und gesellschaftlichen Situation verknüpft.

Erfolgreicher Serienauftakt

"Die rote Frau" ist der zweite Krimi mit August Emmerich. Davor gab es "Der zweite Reiter". Das Buch war im vergangenen Jahr vor allem in Österreich ein Riesenerfolg, bekam Preise und viel Lob. Die Autorin Alex Beer, die unter ihrem eigentlichen Namen Daniela Larcher auch schon erfolgreich Krimis geschrieben hat, hat mit dieser historischen Reihe einen Volltreffer gelandet, bei uns vom Stellenwert vielleicht vergleichbar mit den Gereon-Rath-Krimis von Volker Kutscher. Wer den ersten Band "Der zweite Reiter" nicht kennt, kann übrigens trotzdem problemlos "Die rote Frau" lesen. Der Fall selbst ist ja abgeschlossen und die Geschichte von August Emmerich erschließt sich auch so. Aber wer gerne gleich zwei tolle Krimis lesen möchte, der sollte am besten vorne anfangen. Mich haben beide Bücher begeistert und ich freue mich schon jetzt auf die Fortsetzung.

Alex Beer
Die rote Frau
Verlag: Limes
ISBN: 978-3-8090-2676-1
Preis: 20 Euro
auch als eBook und Hörbuch (Random House Audio) erhältlich

Stand: 02.07.2018, 18:35