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Sondierungsergebnis: Schwerer Job für Schulz

SPD-Chef Schulz stellt zusammen mit Angela Merkel (CDU) und Horst Seehofer (CSU) das Ergebnis der Sondierungen vor

WDR 2 Klartext

Sondierungsergebnis: Schwerer Job für Schulz

Von Julia Barth

Zu einer Großen Koalition kommt es nur, wenn SPD-Chef Schulz die Parteibasis vom Ergebnis der Sondierungen mit CDU und CSU überzeugt. Das dürfte schwierig werden, glaubt Julia Barth.

Sondierungsergebnis: Schwerer Job für Schulz

WDR 2 Klartext | 12.01.2018 | 01:53 Min.

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Man hätte den Sondierern nach dieser Marathon-Woche ja wirklich mal etwas Ruhe gegönnt. Doch für Martin Schulz fängt der wirklich harte Teil der Arbeit jetzt erst an. Er muss in der eigenen Partei auf Wahlkampftour für das Sondierungspapier gehen. Und das wird alles andere als leicht.

Julia Barth

WDR 2 Hauptstadtkorrespondentin Julia Barth

Denn gerade den skeptischen Sozialdemokraten hat er mit diesen 28 Seiten zu wenig vorzuweisen. Ja, das Rentenniveau bleibt stabil, das Einwanderungsgesetz kommt, Kinderarmut soll bekämpft und Pflegekräfte sollen besser bezahlt werden. Aber: Bürgerversicherung - Fehlanzeige! Der Spitzensteuersatz bleibt, wie er ist. Den Wegfall sachgrundloser Befristungen sucht man vergeblich. Und auch wenn die CSU ihre Obergrenze so nicht durchgesetzt hat, hat die SPD auch in der Flüchtlingspolitik Kröten geschluckt, die vielen in der Partei aufstoßen. Maximal 220.000 Menschen sollen ins Land kommen. Der Familiennachzug für Flüchtlinge mit eingeschränktem Schutzstatus bleibt ausgesetzt und soll dann für maximal 1.000 humanitäre Härtefälle im Monat aufgehoben werden. Das alles werden ihm die GroKo-Skeptiker vorhalten. Allen voran der frische Juso-Chef Kevin Kühnert, der die nächsten Tage seinerseits für einen Werbefeldzug nutzen will - gegen eine Große Koalition.

Er hat dafür nicht nur kluge und nachvollziehbare Argumente in der Tasche. Er hat auch den Vorteil, dass er sich die vergangenen Monate nicht annähernd so abkämpfen musste wie der SPD-Parteichef, der zunehmend erschöpft und verzagt wirkt. Wenn Martin Schulz es nicht schafft, genügend Genossen zu finden, die mit ihm und mit voller Kraft für eine Regierungsbeteiligung kämpfen, dann gute Nacht, GroKo.

Stand: 12.01.2018, 17:42