Robbie Williams auf der Bühne bei einem Konzert in München (26.08.2022)

Robbie Williams: König sucht Reich

Stand: 09.09.2022, 00:00 Uhr

Teil 3/6

Ist "Lost" eine erste Kostprobe, was kommendes Liedgut betrifft? Arbeiten Sie an einem Album mit neuen Songs – dem ersten seit 2016?

Ich arbeite ständig an neuem Material. Und ich habe etliche Songs. Aber momentan konzentriere ich mich erst einmal auf "XXV". Irgendwann wird sicherlich wieder etwas Neues kommen. Und natürlich freue ich mich darauf – aber ein Schritt nach dem anderen.

Gleichzeitig unterhalten Sie ein Nebenprojekt namens Lufthaus, das sich der elektronischen Dance-Musik widmet. Wann bekommen wir da etwas zu hören?

Das ist noch nicht offiziell angekündigt… Aber: Es wird passieren! (lacht) Einfach, weil ich tue, was mir gefällt. Und weil ich genug davon habe, konventionellen Hits nachzujagen. Als die großen kommerziellen Radiosender aufgehört haben, meine Songs zu spielen, habe ich zunächst verzweifelt herauszufinden versucht, was ich nur falsch mache - also was solche Reaktionen hervorruft. Und das habe ich mittlerweile aufgegeben. Ich will jetzt einfach wieder die Person sein, die ich – rein musikalisch gesehen – war, als ich Take That das erste Mal verlassen habe. Ich will wieder die Freiheit genießen, die ich damals hatte - und um die es mir immer noch geht. Und so lange ich glücklich und zufrieden mit dem bin, was ich tue, ist alles gut.

Leben Sie als Dance-Künstler Ihre experimentelle Seite aus oder was lässt Sie in diese Richtung gehen?

Ich weiß nicht, ob es wirklich experimentell ist. Es ist eher so, dass ich viele unterschiedliche Arten von Musik mag und gerade Dance immer ein großer Teil und wichtiger Teil meines Lebens war. Als Jugendlicher bin ich regelmäßig von zu Hause ausgebüxt, um mich bei Rave-Veranstaltungen auszutoben – mit einem Haufen merkwürdiger Typen und geisteskranken Berufsjugendlichen, denen alles egal war. Die ernsthaft meinten: "Ich nehme jetzt diese Drogen und schaue, was passiert - weil ich ein Teil von diesem Event sein will." Wir haben da wirklich mit unserer Gesundheit experimentiert – wie verrückte Wissenschaftler. Und die Musik, die dort lief, war absolut berauschend – in jederlei Hinsicht. Sie hat einen gewaltigen Eindruck auf mich gehabt – und wird das bis ans Ende meines Lebens haben. Ich liebe Tanzmusik.

Eine weitere Leidenschaft von Ihnen ist die Malerei. Da hatten Sie im Mai die erste Vernissage Ihrer Bilder. Wie ist sie gelaufen?

Ich habe es geliebt! Es war wahnsinnig aufregend, Teil einer Welt zu sein, die mich schon immer fasziniert hat. Und es ist toll, sich mal auf andere Weise kreativ auszudrücken und da positive Reaktionen zu erhalten – das hat mir gefallen. Eben all das Lob und diese wirklich inspirierenden Gespräche. Insofern ist es ein großer Spaß. Ich finde Kunst sexy, und mich damit zu befassen ist gut für meine mentale Gesundheit. Da ich das Glück hatte, die Karriere zu erleben, die ich erlebt habe, kann ich auch einfach mal Dinge tun, die nichts mit Musik zu tun haben. Was das betrifft, schätze ich mich glücklich – und freue mich darauf, noch mehr in der Richtung zu machen.   

Wie kommen Sie überhaupt zur sogenannten Streetart? Also Schwarz/Weiß-Gemälde in der Tradition von Banksy und Richard Hamilton – was fasziniert Sie daran?

Genau: Banksy, Richard Hamilton, Keith Haring, Murakami – sie stehen für Acid House, Graffiti und HipHop. Das ist es, worum es da geht. Eben das New York der 1980er, ein bisschen Chicago-House, Signaturen samt Graffitis aus Brooklyn und all diese Sachen. Es ist Kunst, die mit Musik und Kultur einhergeht. Und wenn ich mich mit meinem Kumpel Ed daran versuche, ist das eine Sache, die den ganzen Tag dauert: Wir schließen uns in meiner Garage ein, hören Rave-Musik und verlieren uns in der Kreativität.

Und so sind allein während der Pandemie 40 Gemälde entstanden?

Ich würde sogar sagen: Es waren noch mehr. Viel mehr.

Planen Sie weitere Ausstellungen?

Definitiv. Auch gerne in Deutschland. Und ich habe noch eine Menge anderer Sachen vor – z.B. ein Hotel zu bauen. Da will ich auch die Inneneinrichtung übernehmen, das gastronomische Konzept entwickeln und das Entertainment-Programm zusammenstellen. Mein Ziel ist, so viele verschiedene Dinge auszuprobieren, wie ich nur kann, so lange ich auf diesem Planeten bin.