Live hören
Jetzt läuft: Love under pressure von James Blunt
Robbie Williams auf der Bühne bei einem Konzert in München (26.08.2022)

Robbie Williams: König sucht Reich

Stand: 09.09.2022, 00:00 Uhr

Teil 2/6

Für das Coverartwork von "XXV" posieren Sie als römische Statue in Denker-Pose. Fragen Sie sich, was aus der Welt geworden ist – oder warum so grüblerisch?

(lacht) Na ja, die Songs auf diesem Album sind ja neu erdacht. Es sind die Greatest Hits, eingespielt mit einem Orchester – ich habe meine Songs also quasi neu erfunden. Und ich überdenke gerade meine gesamte Karriere, mein Leben und alles andere. Ich bin in einer Phase, in der ich über vieles sinniere. Auch, wie ich mit solchen Anlässen wie einem Dienstjubiläum umgehe. Da ich bereits zwei Greatest Hits-Alben veröffentlicht habe, wollte ich aus diesem Anlass etwas Neues, Anderes machen. Da schienen die Orchesterversionen einfach die spannendste Variante zu sein.

Statt irgendwelcher Remixes von bekannten DJs?

Das mache ich dann beim nächsten Mal… (lacht) Und wahrscheinlich ist die Technik dann so weit fortgeschritten, dass sowieso alles viel leichter vonstatten geht. Wir sind ja längst an dem Punkt, an dem ich einen Song auf Englisch schreibe, ihn einem deutschen Songwriter zur Übersetzung schicke, und er ihn dann mit einer Stimme einsingt, die exakt wie meine klingt. So weit ist die Technik schon – und das ist unglaublich. Im Sinne von: Es ist aufregend, aber auch gefährlich.

Gleichzeitig enthält "XXV" ein neues Stück namens "Lost", das Sie ziemlich verzweifelt zeigt. Im Text heißt es: "From masterpiece to nothingness, and all my friends say don't give up yet, you might get back – I don't think so." Woher rühren die Selbstzweifel?

Das ist weniger, wo ich heute bin, als wo ich früher war. Es basiert auf einem Tagebucheintrag von 1996 – zu einer Zeit als ich gerade bei Take That rausgeflogen war und nicht wusste, wie es weitergeht. Und es ist immer gut, sich an Momente zu erinnern, als man auf dem Boden der Tatsachen angekommen war. Das ist etwas, was einen erdet.

Gleichzeitig passt es zu dem, worüber Sie Ende Juli bei einer Gala in St. Tropez gesprochen haben – nämlich, dass Erfolg nicht vor psychischen Problemen schützt und Sie eine Menge davon haben: Von ADHS über Depressionen, Zwangsvorstellungen bis zur Alkoholsucht. Der Song scheint also durchaus aktuell zu sein…

Ich habe viele Fehler gemacht, die immer noch nachhallen. Ich habe z.B. Drogen genommen, um damit klarzukommen. Ich habe versucht, mich selbst mit Kokain, Ecstasy und Alkohol zu therapieren, was aber nicht funktioniert hat. (lacht) Und jetzt kämpfe ich mit den Spätfolgen, versuche mein Leben irgendwie auf die Reihe zu bekommen und die wirren Gedanken in meinem Kopf zu sortieren.

Angeblich benötigen Sie auf der Bühne einen Teleprompter, um Ihre Texte nicht zu vergessen. Stimmt das?

Oh, mein Gedächtnis ist ganz schlimm, also kaum noch vorhanden. Ich hätte sogar ein Problem damit, den Text zu "Angels" auf die Reihe zu bekommen. Im Sinne von: Ich wüsste nicht, ob ich ihn noch zusammenkriegen würde – oder nicht.

Wie kommt's?

Keine Ahnung, woran das liegt. Ich schätze, es ist eine Mischung aus Aufregung, schlechtem Erinnerungsvermögen und der Angst vor: "Was, wenn ich das nicht auf die Reihe kriege?" Eben all diese Sachen. Es ist auch schon öfter vorgekommen, dass ich bei irgendwelchen TV-Auftritten die Worte und sogar die Melodien zu irgendwelchen Stücken vergessen habe – was einfach erschreckend ist. Insofern greife ich mittlerweile auf jede Hilfe zurück, die ich kriegen kann.

Dabei gelten Sie als selbstbewusster Entertainer. Ist das alles nur Fassade?

Ich lasse halt Unsicherheit wie Unterhaltung aussehen. (lacht)