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Robbie Williams: König sucht Reich

Stand: 09.09.2022, 00:00 Uhr

Robbie Williams feiert sein 25-jähriges Dienstjubiläum – und sucht neue Betätigungsfelder außerhalb der Musik. WDR 2 Reporter Marcel Anders konnte ein ausführliches Interview mit dem Superstar führen.

Gesundheitlich stark angeschlagen, seit Jahren ohne Hit, aber mit lukrativen Immobiliengeschäften und originellen Geschäftsideen: Der Superstar der 1990er und 2000er ist auf dem besten Weg, ein Lifestyle-Mogul zu werden. Der Popmusik, so verrät er beim Gespräch in seinem südfranzösischen Feriendomizil, sei er dagegen entwachsen – und suche ein alternatives Königreich. "XXV", das aktuelle Album mit Orchester-Versionen seiner Greatest Hits, könnte insofern eher Abschied als Comeback sein.

Herr Williams, was ist das für ein Gefühl, Ihr 25. Dienstjubiläum als Solo-Künstler zu bestreiten? Erfüllt Sie das mit Stolz oder auch ein bisschen mit Wehmut?

Ich würde sagen, es ist in erster Linie ein Gefühl der Erleichterung. Einfach, weil ich ein Mensch bin, der wahnsinnig viel will und verlangt - und sich nicht gerne mit dem begnügt, was er hat. Insofern: Wäre mir diese Karriere versagt geblieben, wäre ich heute am Boden zerstört. Von daher sorgt die Gewissheit, da einiges erreicht zu haben, für enorme Erleichterung.

Wenn Sie eine Mannschaft aus der englischen Premier League wären: Welche reflektiert Ihre Position im heutigen Musikgeschäft am besten?

Dann würde ich sagen, dass ich wohl Everton bin. Nach dem Motto: Ich bin noch in der höchsten englischen Spielklasse, aber mir fehlen die ganz großen Erfolge und ich brauche dringend ein bisschen Hilfe. (lacht)

Das heißt: Mit Weltstars wie Billie Eilish oder Taylor Swift können Sie aktuell nicht konkurrieren?

Richtig. Mir fehlt der nötige Sauerstoff, um da mithalten zu können. Das ist einfach so, wenn man älter wird. Denn Popmusik ist halt die Welt der jungen Leute – es sei denn, man ist ein DJ. Dann kann man 160 sein und wird trotzdem noch im Radio gespielt. Mein einziger Vorteil gegenüber den lieben Kollegen ist, dass mein Publikum nicht streamt, sondern physische Tonträger kauft – und dafür bin ich ihm sehr dankbar. Auf diese Weise bin ich noch wettbewerbsfähig. Ansonsten ist es so: Um zu erkennen, wo ich gerade stehe, muss ich mich mit Leuten aus den 90ern messen – mit der Konkurrenz von damals und nicht so sehr mit aktuellen Superstars.

Im Gegensatz zu jüngeren Künstlern verdienen Sie also wirklich noch Geld mit Tonträgern?

In der Tat. Und dafür bin ich sehr dankbar. Denn als ich vor ein paar Jahren mal einen Weihnachtssong als Stream veröffentlicht habe, ist folgendes passiert: Ich rief den Typen an, mit dem ich ihn geschrieben hatte und wollte wissen, wie er denn läuft. Seine Antwort war: "Oh, fantastisch – zwölf Millionen Streams". Ich dachte: "Wow, das klingt ja toll". Aber als ich ein bisschen nachgerechnet habe, wurde mir klar, dass das etwa 6.000 britischen Pfund entsprach. Mehr nicht. Das sagt alles über die heutige Musikindustrie.

Im Sinne von: Unverhohlene Ausbeutung?

Und wie! Nur: Damit muss man klarkommen, weil das halt die aktuellen Gegebenheiten sind und noch keine Alternativen existieren. Insofern schätze ich mich sehr, sehr glücklich, dass ich noch das alte Musikgeschäft kenne; dass ich einer der letzten war, die erleben durften, was es hieß, ein richtiger Popstar zu sein und sich wie ein König fühlen zu dürfen. Dafür bin ich dankbar.