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Simple Minds - Walk Between Worlds

Cover von "Walk between Worlds" von den Simple Minds

WDR 2 Musiktipp - 02.02.2018

Simple Minds - Walk Between Worlds

Von Marcel Anders

Es ist gar nicht lange her, da waren die Mannen um Sänger Jim Kerr so abgeschrieben und out, wie man es in der Unterhaltungsindustrie nur sein kann: Ein Dino der 80er Jahre, der seinen kommerziellen wie kreativen Zenit weit überschritten hatte. Damit ist jetzt Schluss: Rechtzeitig zum 40. Dienstjubiläum erleben die Schotten einen unverhofften zweiten Frühling.

Simple Minds - The Signal and the Noise

WDR 2 Musik | 02.02.2018 | 00:32 Min.

Simple Minds - Sense of Discovery

WDR 2 Musik | 02.02.2018 | 00:30 Min.

Simple Minds - Magic

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Der hört auf den Namen "Walk Between Worlds" und ist das mittlerweile 14. Studio-Album des Duos um Sänger Jim Kerr und Gitarrist Charlie Burchill sowie seiner ständig wechselnden Mitstreiter. Zwar kein Geniestreich und nicht die Neuerfindung der Popmusik, aber ein Werk, das von Selbstfindung, ansteigender Form und neuem Geltungsdrang zeugt. Das äußert sich in einer musikalischen Rückbesinnung, die nichts mit Nostalgie zu tun hat. Jedenfalls nicht mit einer, die an den Stadionrock der späten 80er, frühen 90er erinnert, als die Band aus Glasgow die größten Lokalitäten der Welt füllte, Dauergast in den globalen Charts war und auf einem Level mit U2, Dire Straits, Eurythimcs, Sting, Peter Gabriel und Bruce Springsteen rangierte – als politisch engagierte Band, die gegen Armut, Atomwaffen, Krieg und Rassentrennung sang.

Großangelegte Dualität

Simple Minds anno 2018 konzentrieren sich auf den hektisch nervösen New Wave und Post-Punk ihres Frühwerks um Alben wie "Empires And Dance", aber auch auf die Mittachtziger und Werke wie "New Gold Dream (81/82/83/84)", als ihr Sound etwas Opulentes und Cineastisches besaß. Unterschiedliche Seiten, die jeweils die Hälfte der insgesamt acht Songs ausmachen - und mit einem lyrischen Fokus auf alte Stärken einhergehen. Nämlich das bissige Kommentieren des Zeitgeists – einer schnelllebigen, oberflächlichen Welt voller Angst, Gier, Größenwahn und offenkundigem Hass. Den vergleichen Kerr & Co. mit den Hoffnungen und Träumen ihrer Jugend und kommen zu einem wenig schmeichelhaften Ergebnis: Das Gestern und das Heute sind wie zwei verschiedene Welten. Und als Musiker wie Menschen bewegen sie sich – notgedrungen – in beiden. Einerseits mit Erinnerungen an das Glasgow der 70er. Andererseits mit rosaroten Zukunftsutopien. Eine großangelegte Dualität, die für ein paar sehr gelungene Stücke sorgt, leider auch für ein paar Totalausfälle, aber primär für viel solides Mittelmaß. All das ist für eine Band, die ihren 40. Geburtstag begeht, nicht nur ok, sondern im Grunde schon mehr, als man erwarten darf.

Simple Minds - Walk between Worlds
1.Magic
2.Summer
3.Utopia
4.The Signal and the Noise
5.In Dreams
6.Barrowland Star
7.Walk Between Worlds
8.Sense of Discovery
9.Silent Kiss
10.Angel Underneath My Skin
11.Dirty Old Town (Live)

Stand: 02.02.2018, 08:39