Live hören
Jetzt läuft: Wincent Weiss WDR 2 Tour 2018 von Wincent Weiss

Gorillaz - The Now Now

Cover des "Gorillaz" Albums The Now Now

WDR 2 Musiktipp - 06.07.2018

Gorillaz - The Now Now

Von Oliver Rustemeyer

Fünf Studioalben sind wohl nicht genug. Damon Albarn fällt vor der Tour auf, dass er zu wenig Material für die in diesem Jahr anstehenden Konzerte seiner Gorillaz hat. Komponiert er halt mal eben schnell neue Songs – natürlich auf Tour. Musste aufs letzte Album"Humanz" noch sieben Jahre gewartet werden, erscheint "The Now Now" bereits ein Jahr danach.

Allein der Blick auf die Teilnehmerliste zeigt schon, dass die aktuelle Veröffentlichung nur wenig mit dem Vorgänger zu tun hat. Damals ludt Albarn noch mehr als ein Dutzend Gäste ins Studio ein (darunter Grace Jones, Noel Gallagher, Mavis Staples und De La Soul). Diesmal blieb dagegen in der Kürze der Zeit nur Platz für George Benson mit seiner funky Jazzgitarre, House-Größe Jamie Principal und wieder einmal Rap-Legende Snoop Dog. Dafür musste Albarn selbst mehr vors Mikro.

Hitzefrei im Pool

Dabei macht es der 50-jährige Hyperaktive seinen Hörern diesmal leicht. Trotz der gewohnt langen musikalischen Zutatenliste gibt’s wenig Experimente und dementsprechend keine lange Eingewöhnungsphase. "Humility" breitet sich erstmal fett und träge bei subtropischer Hitze im kalifornischen Pool aus. Um den schlurfen lässig die Comic-Gestalten von Albarns Cartoon-Crew in XXL-Shorts, Cocktail mit Schirmchen in der Hand. Danach schielt "Tranz" mit kitschigen, glitzern schimmernden Synthieflächen und vorsintflutlichen Drum-Maschinen zu den ganz, ganz frühen Depeche Mode und Visage zurück.

Halluzinogene und Sternenteppiche

Die Zukunft sehen die früher so futuristisch anmutenden Gorillaz heute wie so viele eher in der Vergangenheit. "Hollywood" blubbert mit programmierten Handclaps vor sich hin. Und das so gut wie instrumentale "Lake Zurich" erweist dem Achtziger Billigdisco-Produzenten Bobby Orlando (Divine, Flirts) eine späte Ehre. Das Halluzinogen "Magic City" wirkt tatsächlich bewusstseinserweiternd. Das verschlafen-verschrobene Stilleben "Idaho" verweist ähnlich wie "Kansas" oder "One Percent", ein schwereloser Nachhall über einem Sternenteppich aus dem Off, auf die französischen Tagträumer Air. Und der dezente Latin-Swing von "Souk Eye" zum melancholischen Gesang Albarns ist ein echter Wohlfühler.

Groove-Garantie

Klar, "Sorcererz" eiert vor luxuriöser Langeweile im Designer-Pool ziellos umher, "Fire Flies" taumelt betäubt vor sich hin. Und die Gorillaz haben seit Anfang des Jahrtausends an Originalität und Innovationsvorsprung eingebüßt. Eine verlässlich lässigere, betäubend trägere Groove-Garantie gibt’s aber kaum woanders.

Gorillaz - Tranz

WDR 2 Musiktipp | 05.07.2018 | 00:29 Min.

Gorillaz - Kansas

WDR 2 Musiktipp | 05.07.2018 | 00:27 Min.

Gorillaz - Idaho

WDR 2 Musiktipp | 05.07.2018 | 00:29 Min.

Gorillaz - Lake Zurich

WDR 2 Musiktipp | 05.07.2018 | 00:30 Min.

Gorillaz - Souk eye

WDR 2 Musiktipp | 05.07.2018 | 00:30 Min.

Gorillaz - The Now Now
1.Humility
2.Tranz
3.Hollywood
4.Kansas
5.Sorcererz
6.Idaho
7.Lake Zurich
8.Magic City
9.Fire Flies
10.Once Percent
11.Souk Eye

Stand: 06.07.2018, 00:00