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Mumford & Sons - Delta

WDR 2 Musiktipp - 16.11.2018

Mumford & Sons - Delta

Von Oliver Rustemeyer

Mumford & Sons haben es sich und den Fans der ersten Stunde noch nie leicht gemacht. Nach der Veröffentlichung ihres Debüts vor neun Jahren spielten die Londoner einfach nicht das, was andere von ihnen erwarten. Auch ihr viertes Studioalbum "Delta" macht sie jetzt wieder zur Zielscheibe erboster Rezensenten. Zu Unrecht.

Als Sänger Marcus Mumford und seine drei Bandkollegen mit Mandoline, Banjo, Geige, Dobro, Posaune, Trompete und rustikaler, handgezupfter Euphorie aus dem Nichts auftauchten, wollten in ihnen viele die naturnahen Hoffnungsträger eines verstaubt-antiquierten Genres erkennen. Mumford & Sons allerdings sahen sich nicht unbedingt nur auf drollig-veganen, vollbärtigen Folk-Festivals, sondern in naher Zukunft eher auf elektrisierten Open-Air-Stadionbühnen. Für jede Albumveröffentlichung bezogen sie verbal Prügel. "Delta" macht da jetzt gerade keine Ausnahme.

Pakt mit dem Teufel?

Dabei sind Mumford & Sons (ähnlich übrigens wie Mando Diao in einem anderen Segment) längst nicht mehr die Band, die ursprünglich antrat und Erwartungen weckte. Natürlich hatten ihre Produktionen danach weniger vom wilden Charme eines "Little Lion Man" von 2009. Sicher, auf "Delta" wird das signifikante und früher identitätsstiftende Banjo mal wieder zum Beiwerk degradiert. Und ja, vielleicht haben sich die einst so unbedarften Mumford & Sons tatsächlich auf einen Pakt mit dem Teufel eingelassen, auf Synthesizer, technische Effekte und Spielereien, auf massentaugliche, austauschbare Coldplay-Momente und in persona auf Produzent Paul Epworth (Florence + The Machine, Bloc Party, Maximo Park).

Banjo im Laptop

Würden zartbesaitete Puristen mit Hosenträgern und Filzhut aber nicht ständig in den Rückspiegel blinzeln und stattdessen Mumford & Sons als völlig neue Band ohne Vorgeschichte akzeptieren, hört sich "Delta" schon ganz anders an. Zwar türmt die Band noch immer Soundschicht auf Soundschicht, steigern sich Songs bis zum explodierenden Refrain, nur eben mit anderen Produktionsmitteln. Digitale Beats, Grooves und Stromgitarren, aber auch Chöre, Pauken und Trompeten schaukeln sich heute zum großen Drama hoch. Das Banjo steckt da schon mal im Laptop. Mumford & Sons können sich das als neue Band durchaus auch erlauben.

Mumford & Sons - Delta
1.42
2.Guiding Light
3.Woman
4.Beloved
5.The Wild
6.October Skies
7.Slip Away
8.Rose of Sharon
9.Picture You
10.Darkness Visible
11.If I Say
12.Wild Heart
13.Forever
14.Delta

Stand: 23.11.2018, 00:00