Madonna - Madame X

Cover "Madonna - Madame X"

WDR 2 Musiktipp

Madonna - Madame X

Von Oliver Rustemeyer

Das Warten auf Madonnas nächsten großen Wurf. Oder: Die Durststrecke als Dauerlauf. 14 Jahre nach ihren "Confessions On A Dance Floor" für die Massen und über 20 nach dem großartigen "Ray Of Light" wirft auch ihr 14. Studioalbum mehr Fragen als Antworten auf.

Und doch verbindet sich mit "Madame X" mehr Hoffnung und Zuversicht als mit den zuletzt so orientierungs- und ideenlosen Vorgängern "Hard Candy" (2008), "MDNA" (2012) und "Rebel Heart" (2015).

Vielleicht ist es ja selbst von einer Queen Of Pop doch auch ein bisschen zu viel verlangt, fortwährend die populäre Musik neu zu erfinden. Sollten wir uns da nicht mal von der erdrückenden Erwartungshaltung um einen permanenten Pionierstatus lösen und nicht immer nur faszinierendes Neuland sichten wollen?! Wer sich schon mit originellen, polarisierenden Songs zufrieden gibt, hat mehr von "Madame X" als von den drei schlappen Studioalben davor.

Über Fado-Folklore hinaus

Besser als die zuletzt so enttäuschende Anbiederung an jugendliche R&B-Coolness stehen Madonna jetzt auf jeden Fall sommerlich exotische Grooves. Ausgehend von ihrer Wahlheimat Lissabon, wohin sie vor zwei Jahren zog, um Sohn David eine ansprechende Fußballausbildung zu gewährleisten, orientiert sie sich weit über Fado-Foklore hinaus bis nach Afrika und in die Karibik.

Madonna und der Wolf

Reggae, Flamenco-Gitarren und Kastagnetten sind ihr nach "La Isla Bonita", "Spanish Eyes" oder "Deeper And Deeper" nicht fremd, nur muss Madonna heute in einer nervösen Zeit um Aufmerksamkeitserregung mehr abliefern. Dass sie das gleich in einem Song versucht, geht völlig schief. "Dark Ballet" möchte mit stilistischen Wechseln gleich mehrere Nummern sein, ist aber aufgrund von unpassender "Nussknacker-Suite", Hörspiel-Mumpitz und Autotune-Absurdität keine moderne "Bohemian Rhapsody", ja noch nicht einmal "Peter und der Wolf". Auch "Killers Who Are Partying", in dem sich Madonna mit den Unterdrückten dieser Welt (von Indianern bis zu Frauen) solidarisiert, gerät aufgrund textlicher wie musikalischer Einfältigkeit zum Gegenteil von gut gemeint. Auch Songs wie "Crave" oder "Crazy" sind für die Verhältnisse einer innovativen Queen Of Pop erstaunlich harmlos.

Madonna - Madame X: "Facettenreiches Sommeralbum"

WDR 2 14.06.2019 04:19 Min. WDR Online

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Vogue-Grooves und die Zumba-Hüfte

Und doch faszinieren uns exotische Rhythmen und sommerliche Frische der restlichen Nummern, die die 60-Jährige mit Unterstützung von Mitgliedern der Generation U29 (vom kolumbianischen Reggaeton-Star Maluma über die brasilianische Sängerin Anitta bis hin zu den US-Rappern Quavo und Swae Lee) und ihrem 58-jährigen Haus-Produzenten Mirwais versprüht. Latinpop, Trapmusic, der pumpende Beat der pulsierenden Metropole "Medellin", "Vogue"-Grooves ("I Don't Search I Find") und die Zumba-Hüfte: Wir sollten "Madame X" Zeit geben. Vielleicht ja doch bis über den Sommer hinaus.

Madonna - Madame X
TrackTitelname
1.Medellín
2.Dark Ballet
3.God Control
4.Future
5.Batuka
6.Killers Who Are Partying
7.Crave
8.Crazy
9.Come Alive
10.Faz Gostoso
11.Bitch I'm Loca
12.I Don't Search I Find
13.I Rise

Stand: 17.06.2019, 11:00