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Jonathan Jeremiah - Good Day

Cover von "Jonathan Jeremiah - Good Day" vor Farbverlauf

WDR 2 Musiktipp - 31.08.2018

Jonathan Jeremiah - Good Day

Von Oliver Rustemeyer

Die moderne Popmusik versinkt in Banalität, Gleichklang und Angepasstheit – sie hat keine Identität, keine Aussage und keine Relevanz mehr. Einsamer Fels in der Brandung: Jonathan Jeremiah. Der Brite steht für zeitlose Klangkunst auf höchstem Niveau. Nachzuhören auf seinem vierten Album "Good Day".

Er ist ein Ritter von trauriger Gestalt – ein langer, schlaksiger Typ mit Vollbart, wild wuchernden Locken, abgeschabten Anzügen und einem tiefen Bariton. Aber auch ein Künstler, der in der aktuellen Musikwelt eine absolute Ausnahmestellung einnimmt: Er serviert handgemachte, opulente, kathartische Popmusik alter Schule. Mit akustischen Gitarren, Klavier, Streichern und knackigem 60s Groove. Wie seine Vorbilder aus den 60ern und 70ern: Scott Walker, Serge Gainsbourg, John Barry, Neil Diamond, Cat Stevens. Er schwelgt in großen Arrangements, in filigraner Verspieltheit, in klanggewordener Euphorie und anmutiger Schönheit.

Für Herz und Seele

Drei Jahre hat der Enddreißiger, der im Osten von London lebt, an diesen Songs gebastelt, mit seiner Band und einem 18-köpfigen Streicher-Ensemble gearbeitet und in den legendären Konk-Studios von Kinks-Mastermind Ray Davies aufgenommen. Alles analog, ohne High-Tech, ohne doppelten Boden. Was man auf seinem mittlerweile vierten Studio-Epos in sieben Jahren hört, ist echt, ist große Kompositionskunst und eine Rarität. Eben Musik für Herz, Geist und Seele. Elf Songs, die bewegen, zum Schwelgen und Träumen verleiten und für die Dauer von knapp 40 Minuten aus dem tristen Hier und Jetzt entführen.

Der Motivator

Doch Jeremiah, alleinerziehender Vater von zwei kleinen Töchtern und ein passionierter Weltenbummler, geht es nicht um Realitätsflucht. Er bietet einfach Momente der Entspannung, des Durchatmens und des kleinen Glücks, das durchschnittlich zwei bis drei Minuten dauert. Eben elf Songs für einen guten Tag, für einen "Good Day". Wobei er mal die Romantik eines Sternenhimmels thematisiert, einen Berg in zwei Hälften teilt (als britisches Gegenstück zu Moses), mal mit der Berliner U-Bahn fährt, aber auch mangelnde Empathie gegenüber syrischen Kriegsflüchtlingen ankreidet oder über verflossene und unerwiderte Liebe singt. Da ist dieses Album nicht nur ein Moment des Glücks, es ist Motivator, praktische Lebenshilfe und eine Erinnerung an die wirklich wichtigen Dinge des Lebens. Danke, Jonathan!

Jonathan Jeremiah - The Stars Are Out

WDR 2 Musiktipp | 31.08.2018 | 00:24 Min.

Jonathan Jeremiah - Long Night

WDR 2 Musiktipp | 31.08.2018 | 00:24 Min.

Jonathan Jeremiah - No-one

WDR 2 Musiktipp | 31.08.2018 | 00:24 Min.

Jonathan Jeremiah - Good Day
1.Good Day
2.Mountain
3.The Stars Are Out
4.Long Night
5.Deadweight
6.Hurt No More
7.Foot Track Magic
8.No-One
9.U-Bahn (It's Not Too Late For Us)
10.Shimmerlove
11.Yes In A Heartbeat

Stand: 31.08.2018, 00:00